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Unsere Antworten auf die Zukunft der Arbeit

Im Wortlaut von Susanne Ferschl, Jutta Krellmann, Jessica Tatti, Sabine Zimmermann,

Unsere Arbeitswelt ändert sich gerade grundlegend und braucht mutige Antworten auf die Frage, wie wir künftig leben und arbeiten wollen. Die Transformation der Arbeit wird durch die Digitalisierung noch verstärkt und hat in der Corona-Pandemie den Turbo eingelegt. Es zeigt sich immer deutlicher, dass neue Arbeitsformen wie Plattformarbeit sich ausbreiten, sehr viele Beschäftigte neue Kenntnisse und Fähigkeiten in ihren Jobs benötigen und manche Berufsfelder in zehn Jahren auch nicht mehr existieren werden.

Da unsere Arbeit und deren Rahmenbedingungen wesentlich von Gesetzen und gesellschaftlichen Normen bestimmt wird, müssen jetzt die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Gute Arbeit in der Zukunft geschaffen werden.

Diese Umwälzung braucht politische Gestaltung, wenn wir hart erkämpfte Beschäftigtenrechte sichern und neue, auch digitale Rechte erstreiten wollen. Eine Bundesregierung, die tatenlos zuschaut, während Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen Fakten schaffen, brauchen wir nicht.

Morgen wird der erste Bericht des Rats der Arbeitswelt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vorgestellt. Während dort noch die Bereiche ‚identifiziert‘ werden, die künftig ein „update“ brauchen, stellen wir schon heute unsere konkreten linken Antworten auf eine Zukunft der Arbeit vor, in der Beschäftigte nicht nur mehr Schutz und mehr Rechte besitzen, sondern auf Augenhöhe mitbestimmen und endlich gut von Ihrer Arbeit leben können. Gute Arbeit in der Zukunft ist für uns sozial abgesichert, gut entlohnt, mitbestimmt und tariflich ausgestaltet.

Wer künftig Gute Arbeit will, muss Niedriglöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse wie Leiharbeit, Befristungen & Werkverträge abschaffen

Die Pandemie macht wie unter einem Brennglas sichtbar, dass viele Beschäftigte in Arbeitsverhältnissen schuften, die sie nicht sozial absichern und nicht genug abwerfen, um damit gut zu leben. Minijobs, Leiharbeit, Befristungen und Werkverträge – diese Arbeitsformen gibt es, damit sich Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen die Sozialversicherungspflicht sparen oder ihre Beschäftigten einfacher loswerden können. Diese Tatsache lässt nur einen Schluss zu: Prekäre Arbeitsverhältnisse gehören in die Vergangenheit! Wenn wir abgesicherte, gut entlohnte Arbeit für alle in der Zukunft haben wollen, muss die Sozialversicherungspflicht ab dem ersten verdienten Euro gelten.

Zudem wird die Transformation bestehender Arbeitsverhältnisse schon jetzt von Unternehmen genutzt, um sich auf Kosten ihrer Beschäftigten ihre Profite zu sichern und die Lohnspirale nach unten zu drehen – nicht mit uns! Niedriglöhne sind keine Antwort auf die Zukunft der Arbeit, im Gegenteil. Für uns sind höhere Mindestlöhne und geltende Tarifverträge für jeden Beschäftigten die beste Antwort auf diese Herausforderung. Wir können schließlich nur mit starken Löhnen auch von unserer  Arbeit leben!

Qualifizierung ist das A und O, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können, und dazu braucht es einen echten Rechtsanspruch auf Weiterbildung

Viele Beschäftigte merken schon heute, dass sich ihre alltägliche Arbeit verändert – neue digitale Arbeitsmittel, veränderte Abläufe und neue Technologien sind inzwischen an fast jedem Arbeitsplatz zu finden. Das vielbeschworene „Lebenslange Lernen“ ist inzwischen für viele Realität, doch noch immer fehlt es an gesetzlich klar regelten Pflichten für Unternehmen, ihren Beschäftigten die Weiterbildung, die sie für den Job brauchen, auch zu finanzieren. Das muss sich ändern. Ein gesetzliches umfassendes Recht auf Weiterbildung für alle ist da überfällig, denn die Zukunft der Arbeit findet nicht mehr lebenslang allein in einem Betrieb statt. Die Bundesregierung kann hier unser Geld gut investieren und mit Hilfe eines Weiterbildungsgeldes auch Erwerbslosen helfen, sich die Qualifizierung zu holen, die sie brauchen.

Beschäftigte arbeiten zunehmend über Plattformen, im Homeoffice und mit digitalen Arbeitsmitteln, daher braucht es eine konsequente gesetzliche Regulierung

Die neuen digital unterstützten Arbeitsformen sind in aller Munde. Lieferfahrerinnen, die uns plattformbasiert unser Abendessen vorbeibringen, der Nachbar, der per cloudwork vom Zug aus mit seinem Team in Spanien konferiert oder die Erzieherin, die ihre Büroarbeit einmal in der Woche im Homeoffice erledigt – die Pandemie hat uns gezeigt, dass viele unserer Arbeitsaufgaben nicht mehr zwingend am Arbeitsplatz erledigt werden müssen. Mehr noch, die Digitalisierung verändert auch die Organisation unserer Arbeit und unsere Arbeitsbeziehungen. Da ist viel Musik drin – sowohl für mehr Zeitsouveränität der Beschäftigten als auch für neue Gefahren von prekären Arbeitsbedingungen und Kontroll- und Sanktionsformen. Der soloselbstständige Essenlieferant, der auf Abruf arbeiten muss, steht neben der Steuerfachangestellten, die im Homeoffice endlich ihre Arbeit selbstverantwortlich aufteilen kann und keine zwei Stunden mehr zur Arbeit fahren muss. Wenn wir also über linke Antworten von der Arbeit der Zukunft sprechen, ist das hier eine unserer größten Baustellen. Denn die Frage, ob die neuen Arbeitsformen ein Fluch oder Segen werden, hat natürlich der Gesetzgeber in der Hand. Neben einem Rechtanspruch auf Homeoffice brauchen wir daher auch endlich gesetzliche Regulierungen in der plattformbasierten Arbeit.

DIE LINKE kämpft für einen aktiven Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, damit zukünftig niemand ausgebrannt und krummgebuckelt in Rente gehen muss

Arbeit- und Gesundheitsschutz ist nur was für Bergleute und Beschäftigte in Chemielaboren? Weit gefehlt! Gerade führt uns die Pandemie vor Augen, wie wichtig ein wirksamer Schutz & Vorsorge am Arbeitsplatz ist, um sich gegen todbringende Viren, Arbeitsunfälle oder gesundheitlichen Risiken mit Spätfolgen zu wappnen.

Arbeits- und Gesundheitsschutz wirkt vor allem präventiv. Erst wenn etwas passiert, merkt man, dass er nicht da war. Deshalb ließen ihn in den vergangenen Jahren vor allem Arbeitgeber links liegen, und die zuständigen Kontrollbehörden der Länder kamen oft nur auf Zuruf vorbei.

Das ist kein Zustand, um Gute Arbeit auch in der Zukunft zu gewährleisten. Hier können wir gesetzlich viel tun, um einen aktiven Gesundheitsschutz auf Arbeit zu fördern und die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen mehr in die Verantwortung zu nehmen. Neben einer allgemeinen verpflichtenden Arbeitsschutzerklärung brauchen wir mehr Kontrollen und mehr Mitbestimmung. Und wenn uns die Arbeit krank macht, braucht es eine verbesserte und vereinfachte Anerkennung von Berufskrankheiten- nicht nur bei Corona!

Fairer Wandel und eine gerechte Arbeitswelt der Zukunft brauchen eine starke Mitbestimmung, damit Beschäftigte ihre Zukunft mitgestalten können

Auch die Gute Arbeit der Zukunft lebt von der tagtäglichen Ausgestaltung der Beschäftigten und Ihrer Interessenvertretungen im Unternehmen – den Betriebs- und Personalräten. Sei es eine Homeoffice-Vereinbarung, der gesundheitsverträgliche Umgang mit Maschinen und Arbeitsmitteln oder die anstehende Fusion mit einem weiteren Unternehmen: Betriebsräte haben schon jetzt alle Hände voll zu tun, damit die Chefs nicht einfach alles allein entscheiden. Die gesetzlichen Grundlagen ihrer Arbeit haben mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten, so dass viele Dinge, die auf Arbeit vor sich gehen, nicht von den Beschäftigten ausreichend mitbestimmt werden können. Für die Zukunft der Arbeit ist das ein Unding! Unsere Antwort darauf liegt in der Demokratisierung der Arbeitswelt, indem wir betriebliche Mitbestimmung ausweiten und modernisieren, indem wir Betriebswahlen erleichtern und Betriebsräte besser schützen, vor allem vor mitbestimmungsfeindlichen Arbeitgebern. Zudem wollen wir erreichen, dass die wirtschaftliche Mitbestimmung von Beschäftigten und ihren Betriebsräten ausgebaut und Massenentlassungen damit verhindert werden können. Denn die Gute Arbeit der Zukunft fällt nicht einfach so vom Himmel, sie muss erkämpft und erstritten werden.