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Zwischen Beruf und Familie passt kein »oder«

erschienen in Querblick, Ausgabe 5,

Wesentliche Bedingungen für Gleichstellung von Frauen und Männern diskutiert

Mitte Oktober 2007 lud die Fraktion DIE LINKE zur Konferenz »Arbeit familienfreundlich gestalten«. Gemeinsam mit WissenschaftlerInnen und VertreterInnen von Verbänden und Gewerkschaften diskutierten die Abgeordneten über Möglichkeiten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

Für DIE LINKE gehörte das Thema ganz oben auf die politische Tagesordnung, stellte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Klaus Ernst fest. Familienpolitik müsse darauf achten, sich nicht ausschließlich auf privilegierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu konzentrieren, erklärte Dr. Alexandra Scheele (Uni Potsdam). Der Soziologe Stephan Reuyß legte dar, dass Beschäftigte mit Kindern mit vielen Problemen im betrieblichen Alltag zu kämpfen haben. So sind 31 Prozent der Beschäftigten der Ansicht, der eigene Betrieb verfüge nicht über familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Ein Viertel stimmte der Aussage zu, im eigenen Betrieb gebe es keine positive Einstellung gegenüber Beschäftigten mit Kindern. Reuyß sprach sich für einen neuen Arbeitszeitstandard der verkürzten Vollzeit aus. Solange der Arbeitnehmer ohne Sorgearbeitspflichten die Norm sei, könne Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter und Väter nicht erreicht werden.

Deshalb müsse die »Kultur der überlangen Arbeitszeiten« zurück-gedrängt werden. Die Konferenz hat deutlich gemacht: Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine wesentliche Bedingung für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Frauen- und Gleichstellungspolitik darf sich aber nicht in Familienpolitik erschöpfen. Anne Jenter (GEW) forderte deshalb, das Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft und die Abschaffung des Ehegattensplittings wieder auf die politische Agenda zu setzen.
Maria Wersig

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