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„Die Würde des Menschen ist unantastbar“

Von Gregor Gysi, Lukrezia Jochimsen, Jan Korte, erschienen in Clara, Ausgabe 37,

Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Hessen in den 1950er und 1960er Jahren war beim diesjährigen Fest der Linken eine szenische Lesung gewidmet.

Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Hessen in den 1950er und 1960er Jahren, ließ diesen Satz aus dem Grundgesetz an die Außenwand des Landgerichts in Frankfurt am Main anbringen. Ihm war beim diesjährigen Fest der Linken eine szenische Lesung gewidmet. „Auschwitzprozess: 50 Jahre danach. Fritz Bauer und der Unrechtsstaat.“ Luc Jochimsen, von 2005 bis 2013 Abgeordnete der Fraktion DIE LINKE, hatte in Archiven nach Lebensspuren des Mannes gesucht, der den Auschwitzprozess im Mai 1965 nach 20 Verhandlungsmonaten zu Ende gebracht hatte. Sie und der Schauspieler Rolf Becker schlüpften in die Rolle der Erzähler, Gregor Gysi gab Fritz Bauer eine Stimme, Michel Friedman übernahm die Rolle des Richters, Hannes Heer war Ankläger und Jan Korte ein Zeuge.    Heute weiß kaum noch jemand, wer Fritz Bauer war. Im Jahr 1903 in einer jüdischen Familie in Stuttgart geboren, mit 27 Jahren der jüngste Amtsrichter in der Weimarer Republik, wird er 1933 verhaftet. Er flieht nach Dänemark, später nach Schweden. Zurück nach Deutschland kehrt er 1949, weil er glaubte, „etwas vom Widerstandsgeist und Widerwillen der Emigration im Kampf gegen staatliches Unrecht mitbringen zu können. Schon einmal war die deutsche Demokratie zugrunde gegangen, weil sie keine Demokraten besaß. Ich wollte einer sein.“   Fritz Bauer ist einer, einer in Amtsrobe. Sein Thema: der Unrechtsstaat der Jahre 1933 bis 1945. Sein Ziel: „Sich seiner zu erinnern, über ihn aufzuklären, seine Wurzeln zu erkennen – vor allem sein Fortwirken.“ Denn, so Fritz Bauer, diese Bewältigung „geht uns alle an“.  Alle? Darüber debattierten nach der einstündigen Lesung Jan Korte, Abgeordneter der Fraktion DIE LINKE, Hannes Heer, Kurator der ersten Wehrmachtsausstellung, Michel Friedman, Rechtsanwalt, Erardo Rautenberg, der dienstälteste Generalstaatsanwalt der Bundesrepublik, und Volkmar Schöneburg von der Landtagsfraktion der Partei DIE LINKE in Brandenburg. Es war eine Runde zum Thema Rassismus und Rechtsextremismus mitten unter uns, wie sie kaum noch zu erleben ist: emotional, trotzdem sachlich und vor allem nie beschönigend. Denn es bleibt dabei: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

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