Schließen

Skip to main content

Verwaiste Werke

Themenpapiere der Fraktion

Bücher, Filme, Fotos und Musikstücke sind nach geltendem Recht bis zu 70 Jahre über den Tod des Urhebers hinaus geschützt. Häufig liegen die Verwertungsrechte an diesen Werken aber nicht mehr bei den eigentlichen Schöpfern, sondern bei Dritten. Sie sind in Verträgen übertragen worden: teils zeitlich begrenzt, teils für immer; teils umfassend, teils nur für bestimmte Nutzungsarten. Schon wenige Jahre nach dem Tod der Urheber ist oft unklar, wen man eigentlich fragen müsste, um das Werk wirtschaftlich zu verwerten. Es gilt dann als verwaist. Und verstaubt für immer in den Archiven.

Verwaiste Werke sind ein Nebeneffekt der Zersplitterung des Urheberrechts und der überlangen Schutzfristen. Deshalb suchen Experten seit Jahren fieberhaft nach einem Kompromiss: Wie kann man verwaiste Werke wieder verfügbar machen, ohne gegen das Urheberrecht zu verstoßen?
DIE LINKE hat 2011 einen Gesetzentwurf für eine sogenannte Schrankenregelung vorgelegt. Eine solche Ausnahmeregelung würde es Museen, Archiven und anderen nicht-kommerziellen Einrichtungen erlauben, verwaiste Werke wieder zugänglich zu machen. Ein Jahr später hat auch die Europäische Kommission eine Richtlinie verabschiedet, die die Nutzbarmachung verwaister Werke erleichtern soll. Und vom Bundesjustizministerium gibt es immerhin schon einen Referentenentwurf.

Aber es gibt auch Widerstände. Die Buchverlage wollen für die digitalisierten Bücher Geld von den Bibliotheken. Die Betreiber des Online-Lexikons Wikipedia beklagen, dass die von der EU vorgegebenen Rahmenbedingungen für sie nicht passen. Auch steht für die Digitalisierung selbst nicht genügend Geld zur Verfügung. Und um festzustellen, ob ein Werk wirklich verwaist ist, muss eine „sorgfältige Suche“ nach etwaigen Rechteinhabern durchgeführt werden, die viele Bibliotheken und Archive für zu aufwändig halten.

Verwaiste Werke sind ein Teil unseres kulturellen Erbes. DIE LINKE setzt sich dafür ein, dieses Erbe so umfassend und einfach wie möglich zugänglich und verfügbar zu machen. Dafür muss eine zukünftige Regelung einfach und praktikabel sein. Zugleich plädiert DIE LINKE dafür, den auf internationaler Ebene stattfindenden Prozess der ständigen Verlängerung urheberrechtlicher Schutzfristen umzukehren. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass verwaiste Werke in Zukunft gar nicht erst entstehen.
 

Weiterführende Informationen zum Thema wie Parlamentarische Initiativen, Reden, Publikationen oder Pressemitteilungen finden Sie über unsere Suche.