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Kreativschaffende

Themenpapiere der Fraktion

Kürzungen der Kulturförderung, Schließungen oder Privatisierungen von öffentlichen Einrichtungen und ein massiver Personalabbau prägen heute den öffentlichen Kultursektor. Die wirtschaftlichen und sozialen Risiken für die Kultur- und Kreativschaffenden haben sich vergrößert. Ihre Situation ist zunehmend von sozialer Unsicherheit sowie geringen und schwankenden Einkünften gekennzeichnet. Die Einkommen der Kulturschaffenden, die in der Künstlersozialkasse sind, beträgt durchschnittlich 17.130, wie die Statistik der Künstlersozialkasse zeigt (Stand 2018). Der unbefristete Arbeitsvertrag wird zur Ausnahme. Projektbezogene Beschäftigung, befristet und unstetig, wird zur Normalität. Digitalisierung und die wachsende Kreativwirtschaft haben den Charakter der Arbeit verändert: Mehr zeit- und ortsungebundenes Arbeiten ermöglicht mehr Selbstbestimmung und Zeitsouveränität. Aber die Gefahr der (Selbst-)Ausbeutung wächst.

Zwar gilt die private Kultur- und Kreativwirtschaft noch immer als Boom-Branche, doch von den Umsätzen kommt wenig bei den Kreativen an. Denn die Branche zeichnet sich nicht nur durch ihr hohes Innovationspotential aus, sondern auch durch einen im Vergleich hohen Anteil von Selbstständigen und geringfügig Erwerbstätigen. Mehr als ein Drittel aller hier Beschäftigten ist geringfügig Erwerbstätig, hierunter fallen auch Selbstständige mit einem Jahresumsatz unter 17.500 Euro.

Die Kreativwirtschaft ist innerhalb eines guten Jahrzehnts zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor geworden und macht parallel dazu prekäres Arbeiten gesellschaftsfähig. Zeitgleich ist die Übernahme von in der Kreativbranche entwickelten Arbeitsformen, wie Outsourcing, Projektarbeit, selbstständiges Arbeiten mit ihren Honorar- oder Werkverträgen, auf andere Branchen zu beobachten. So ist Leih- und Zeitarbeit oder prekäre Solo-Selbstständigkeit zu einer branchenübergreifenden Normalität geworden.

Die Fraktion DIE LINKE will gute Arbeitsbedingungen, die Stärkung des Öffentlichen und mehr Transparenz und Demokratie auch im Bereich der Kultur und der Kreativwirtschaft durchsetzen. Wir sind der Meinung: Die öffentliche Hand hat eine Vorbildfunktion. Deswegen wollen wir die Verwendung öffentlicher Gelder an soziale Mindeststandards und Gendergerechtigkeit koppeln. Projekte müssen sozialverträglich kalkuliert und Tarif- und Mindestlöhne bzw. angemessene Vergütungen und Honorare gezahlt werden.

Die Fraktion DIE LINKE fordert branchenspezifische Mindesthonorarregelungen, die bundesweit gelten. Wir streben die Einbeziehung von (Solo-)Selbstständigen in unsere solidarischen Versicherungsmodelle (Gesundheit, Erwerbslosigkeit, Rente, Pflege) an.

Die Fraktion DIE LINKE will die Künstlersozialkasse erhalten und ausbauen. Der Bundeszuschuss soll wieder auf 25 Prozent erhöht werden. Der Spielraum zur Aufnahme von neu entstandene Berufsgruppen und Kulturschaffenden aus dem künstlerischen und publizistischen Bereich ist auszuschöpfen. Es müssen Lösungen für die kurzzeitig, unständig und in wechselnden Erwerbsformen Tätigen gefunden werden, z.B. durch eine Anpassung der Aufnahmekriterien und Zuverdienst-Grenzen aus abhängiger Arbeit.

Die Fraktion DIE LINKE setzt sich für faire Tarifbedingungen im öffentlichen Kultursektor ebenso ein wie für eine Stärkung der kollektiven Verhandlungsmacht freiberuflicher Kreativschaffender. Ein wesentliches Instrument dafür ist ein durchsetzungsstarkes Urhebervertragsrecht. Und die Unterstützung der Organisation von Kulturschaffenden. Selbstorganisation von Selbstständigen und der Aufbau und die Vernetzung von Interessenvertretungen im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft müssen gestärkt werden. Die Fraktion DIE LINKE fordert ein Verbandsklagerecht von Selbstorganisationen und Option eines Klagerechts von Gewerkschaften, denn gemeinsame Vergütungsregeln müssen auch einklagbar sein.

DIE LINKE hat ein Positionspapier für „Gute Arbeit" für (Solo-)Selbstständige in der Kultur- und Kreativwirtschaft (PDF) vorgelegt. 


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