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Gentrifizierung

Themenpapiere der Fraktion

Gentrifizierung beschreibt die Veränderung von Stadtteilen, insbesondere in den Zentren der großen Städte, die mit einem Bevölkerungsaustausch zugunsten einkommensstarker Haushalte und der Verdrängung von Bewohnerinnen und Bewohner mit niedrigen Einkommen einhergeht.

Oft wird Gentrifizierung als ein Prozess beschrieben, in dem Studierende, Künstlerinnen und Künstler und Kreative als „Pioniere“ in ein Viertel ziehen und dort durch ihre Anwesenheit und Aktivitäten einen Imagewandel bewirken. Dieses Viertel werde so für einkommensstärkere Bewohnerinnen und Bewohner attraktiv. Darauf reagiere schließlich auch die Immobilienwirtschaft – mit der Folge steigender Mieten, der Umwandlung in Eigentumswohnungen sowie der Verdrängung von Kleingewerbe.

Tatsächlich bezeichnet diese kulturelle Aufwertung nur eine Form der Gentrifizierung, nicht aber deren Ursache. Denn hinter der Gentrifizierung steht eine immobilienwirtschaftliche Dynamik, die auf der Ertragslücke zwischen niedrigen Bestandsmieten und höheren Angebotsmieten beruht. Diese Ertragslücke kann durch symbolische Aufwertungen ebenso vergrößert werden wie durch bauliche und städtebauliche Erneuerungen oder durch andere politische Maßnahmen und Rahmensetzungen.

Je größer die Ertragslücke, desto größer der Anreiz für die Vermieter, durch Kündigungen, Modernisierungen oder Umwandlungen in Eigentums- oder auch Ferienwohnungen einen Mieterwechsel voranzutreiben. Die so verdrängten Mieterinnen und Mieter finden dann oft in ihren Nachbarschaften keinen Wohnraum mehr und müssen auf den Stadtrand ausweichen.

Die Gentrifizierung von Nachbarschaften ist somit Bedingung und zugleich Ergebnis einer zunehmenden Immobilienspekulation.

Gentrifizierung zu bekämpfen, Verdrängung zu verhindern und eine Spaltung in reiche Innenstädte auf der einen und verarmte Stadtrandsiedlungen auf der anderen Seite zu verhindern, erfordert einen Paradigmenwechsel zugunsten einer sozialen Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik, die am Recht auf Wohnen und am Recht auf Stadt ausgerichtet ist.

DIE LINKE setzt sich dafür ein:

  • Zwangsräumungen in die Wohnungslosigkeit zu verbieten. Das Recht auf Wohnen gehört ins Grundgesetz.
  • steigende Mieten durch eine tatsächlich wirksame, flächendeckend, ausnahmslos und unbefristet geltende Mietpreisbremse zu begrenzen und den Kündigungsschutz für Mieterinnen und Mieter zu stärken. Darüber hinaus wollen wir ein soziales Gewerbemietrecht, um Kleingewerbetreibende vor Mieterhöhungen und Kündigungen zu schützen.
  • durch den Neustart in einen sozialen, gemeinnützigen Wohnungsbau 250.000 bezahlbare Wohnungen im Jahr zu schaffen (Sozialer Wohnungsbau).
  • Immobilienspekulation zu verhindern durch eine effektive Besteuerung von Gewinnen aus Grundstücksgeschäften und das Verbot von Share-Deals – dem Verkauf von Immobilien in Form von Unternehmensanteilen mit dem Ziel, die Grunderwerbssteuer zu umgehen
  • die Beteiligung des Bundes an Spekulationsgeschäften zu beenden und öffentliche Grundstücke vorrangig und verbilligt für den sozialen Wohnungsbau bereit zu stellen.
  • den Milieuschutz auszuweiten und zu stärken. Mietobergrenzen in sozialen Erhaltungsgebieten sollten wieder eingeführt und Kommunen müssen bei der Prüfung und Festlegung der Gebiete sowie bei der Wahrnehmung des Vorkaufsrechts unterstützt werden.
  • dass Mietwohnungen nicht kommerziell als Ferienwohnungen angeboten werden dürfen. Die Zweckentfremdung von Wohnraum wollen wir stoppen.

Weiterführende Informationen zum Thema wie Parlamentarische Initiativen, Reden, Publikationen oder Pressemitteilungen finden Sie über unsere Suche.

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