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Gegen Maschinen-Stürmerei im Internet

Interview der Woche von Petra Pau,

Petra Pau, Mitglied des Vorstandes der Bundestagsfraktion DIE LINKE. und Vizepräsidentin des Bundetages, im Interview der Woche

DIE LINKE will das Internet zensieren?

Um Himmels willen, wie kommen Sie darauf? Wir kämpfen seit Jahren gegen immer wieder mal geäußerte Bestrebungen, das Internet zu zensieren, egal aus welcher Ecke sie auch kommen. Das ist die politische Seite. Außerdem liegt es in der Natur des weltweiten Gewebes, dass es sich letztlich jedweder Kontrolle entzieht. Das ist die technische Seite.

Aber in Web-Blogs wird genau dieser Vorwurf erhoben. Zu Unrecht?

Was die Partei oder die Fraktion DIE LINKE betrifft, ist ein solcher Vorwurf auf jeden Fall falsch. Wenn Einzelne das anders sehen, dann ist das ihr Problem. Auf DIE LINKE können sie sich dabei aber nicht berufen, im Gegenteil.

Der aktuelle Streit dreht sich um Wikipedia und um die Forderung, die deutsche „Ausgabe“ aus dem Netz zu nehmen, weil dort Falsches vermeldet würde.

Wenn ich eine Falschmeldung zum Maßstab für die Existenzberechtigung eines Mediums nehmen würde, dann müsste ich ja in derselben Logik fast alle Printmedien verbieten. Das wäre doch Maschinen-Stürmerei. Zumal: Man kann gegen konkrete Falschmeldungen konkret vorgehen, bei Wikipedia übrigens einfacher, als auf dem Zeitungs- oder TV-Markt.

Nutzen Sie selber Wikipedia?

Ja, zur Einstiegsrecherche und häufig verlinke ich sogar Wikipedia-Einträge auf meiner eigenen Webseite. Nehmen Sie das als mein persönliches Gütesiegel für das Projekt Wikipedia. Der große, auch demokratische Fortschritt des Wikipedia-Prinzips besteht doch gerade darin, dass es dort keinen Ober-Zensor gibt und keine Chef-Redaktion, die eine politische Linie vorgeben kann.

Weil alle fast alles schreiben können, egal, ob es stimmt oder nicht?

Ob etwas stimmt oder nicht, das müssen alle Wikipedia-Nutzer schon für sich entscheiden. Das kann ihnen niemand abnehmen. Ich finde auch nicht alles gut und richtig, was bei Wikipedia eingetragen wird. Aber das kann man nicht Wikipedia anlasten. Viel entscheidender ist, dass bereits Kinder und Jugendliche das erwerben, was man Medienkompetenz nennt. Das ist übrigens eine langjährige Forderung der Linken.

Fragen: Rainer Brandt

linksfraktion.de, 16. November 2008

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