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Fehlregulierungen bedrohen die Stabilität der Stromversorgung

Nachricht von Frank Tempel,


"Zukunftsforum öffentliche Sicherheit": Beratung im Paul-Löbe-Haus des Bundestags


Der Verein "Zukunftsforum öffentliche Sicherheit" hat sich bei seiner Gründung die Aufgabe gestellt, Erkenntnisse der Forschung zu sicherheitsrelevanten Themen Öffentlichkeit und Politik zur Verfügung zu stellen. Oft "versauern" die Erkenntnisse in Berichten und werden trotz höchster Notwendigkeit nicht umgesetzt. Große Aufmerksamkeit erregte vor drei Jahren die Warnung vor den katastrophalen Folgen eines langandauernden, großflächigen Blackouts. Weitere Themen waren u.a. die unzureichende Ernährungsvorsorge bei Katastrophen und die Auswirkung des Klimawandels auf den Katastrophenschutz in der Bundesrepublik.

Das inzwischen 21. Forum widmete sich am Donnerstag der Frage, wie sicher das Stromversorgungsystem angesichts des Umbaus der Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien sei. Der Abergeordnete der Fraktion DIE LINKE Frank Tempel, Vorsitzender des Beirates des Zukunftsforums, moderierte die Vorträge und Diskussionen im Paul-Löbe-Haus im Deutschen Bundestag.

Verheerende Auswirkungen

Stefan Boy vom "Kompetenzzentrum Kritische Infrastruktur" wies auf die starke Vernetzung der        

verschiedenen Infrastrukturen hin, die wiederum alle vom Stromnetz abhängig sind. Ein Zusammenbruch des Stromnetzes hätte verheerende Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Die Wasserversorgung, das Internet, das Gesundheitswesen und der Handel würden nur kurze Zeit nicht mehr funktionieren. Demzufolge müssen an das Stromversorgungssystem – als der kritischen Infrastruktur schlechthin – besonders hohe Sicherheitsanforderungen gestellt werden.  

Wolfgang Neldner von Neldner-Elektrizitätsnetzberatung benannte zahlreiche Beispiele, in welchem bedenklichen Zustand das Netz heute ist. Im Netz kommt es durch Fehlregulierung und mangelnden Ausbau immer wieder zu kritischen Zuständen. Inzwischen muss durchschnittlich alle zwei Tage zum Notfallregime übergegangen werden, um Teilzusammenbrüche zu verhindern. Die Ursache liegt zum Beispiel darin, dass für die inzwischen 1500 Akteure pro Regelzone keine verbindlichen Standarts der Kommunikation existieren. Das heißt, die Schaltzentralen wissen nur unvollständig wann wer ins netzt einspeist und wer wie viel abnimmt. Für die Schaltzentralen sei dies stellenweise ein reiner Blindflug. Weiterhin werden Puffermechanismen, um Schwankungen auszugleichen, nicht ausreichend gestützt. Pumpspeicherwerke beispielsweise rechnen sich wirtschaftlich kaum noch und werden zum Teil zurückgebaut. Viele Teilnehmer des Forums waren über diese Tatsache äußerst verwundert.

Netz braucht mehr Stabilität

Weiter fehlt es an klaren Kriterien und Vorschriften um die Netzstabilität zu erhöhen. Gaskraftwerke müssten über Lager verfügen und  Biogasanlagen müssten ab- und zuschaltbar sein. Die Kraft-Wärmekopplung wird nach wie vor unzureichend gefördert.

Nicht nur die Regulierungsbehörden, sondern auch die Energieerzeuger haben sich auf die neue Situation ungenügend eingestellt. Es existieren kaum Angebote, welche Abnehmer anregen, ihren Stromverbrauch an die Erzeugungszeiten der erneuerbaren Energien anzupassen. Es gibt zum Beispiel eine interessante Studie, dass Krankenhäuser problemlos ein Drittel des Energiebedarfs in die Zeiten verlagern könnten, in denen die Sonneneinstrahlung am höchsten ist.    

Mehrere Redner verwiesen darauf, dass ihre kritische Analyse zur heutigen Situation keine Aussage gegen erneuerbare Energien, sondern für mehr Stabilität in einem sich ändernden Netz ist.

Zu Ende des Forums beschlossen die Mitglieder eine Arbeitsgruppe einzusetzen, welche die Ergebnisse bündeln wird, um sie später den Ministerium und dem Bundestag zur Verfügung zu stellen.

linksfraktion.de, 21. März 2014        

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