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Bahnpolitik: Ein Gleiswechsel ist überfällig!

Im Wortlaut von Sabine Leidig,

Züge sind defekt, bleiben liegen oder können erst gar nicht auf die Strecke gehen, Klimaanlagen oder Bordrestaurants fallen aus, WCs und Türen sind nicht benutzbar. Was ist los bei der Bahn? Warum wird eine Fahrt mit dem Zug immer öfter zu einem Ärgernis? Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, über den Zustand eines Unternehmens (YouTube), dessen Zuverlässigkeit früher einmal sein Markenzeichen war


Von Sabine Leidig

Auch dieses Jahr werden wieder viele zu Weihnachten zu ihren Familien oder Freunden mit der Bahn reisen. Und wie jedes Jahr können wir nur hoffen, dass das Wetter freundlich bleibt und vor allem dass es nicht schneit. Denn ein Bahn-Chaos im Weihnachtsreiseverkehr, das wäre noch schlimmer, als wir es sonst leider schon viel zu häufig erleben.

Früher einmal hat die Bahn mit dem – oft veränderten und kopierten – Slogan geworben: "Alle reden vom Wetter, wir nicht" geworben. War das nur Größenwahn? Nein, das war es nicht. Zuverlässigkeit, fast unabhängig von den äußeren Bedingungen, war früher einmal Markenzeichen der Bahn. Warum ist das heute nicht mehr so?

Profitmaximierung versus Gemeinwohl

Die Bahn – vorher noch Bundesbahn (West) und Reichsbahn (Ost) – wurde vor ziemlich genau 23 Jahren in eine privatwirtschaftlich organisierte Aktiengesellschaft umgewandelt. Und seitdem ist ihr oberstes, politisch vorgegebenes Ziel die Maximierung des Profits. Immer wieder ist sogar von einem Börsengang die Rede. Und dieses Ziel der Profitmaximierung widerspricht leider diametral dem, worum es bei der Bahn eigentlich gehen sollte: nämlich dem Allgemeinwohl. Die Bahn sollte die Basis der Mobilität für alle Menschen im Land sein, aber sie kann diese Funktion oft leider nicht erfüllen.

Was sind die konkreten Auswirkungen? Viele Strecken werden nicht mehr bedient, weil sie sich angeblich nicht lohnen. Mit dem Interregio wurde gar eine ganze Gruppe von Zügen abgebaut, die vorher vor allem viele kleinere Städte – dazu auch preisgünstig – an den Schienenverkehr angebunden haben. Und vor zwei Wochen wurde der Nachtzugverkehr komplett aufgegeben, obwohl die Züge gut gebucht waren und gerade dieser Verkehr das Reisen mit der Bahn auch über weite Strecken ins Ausland ermöglicht. Auf den Strecken, wo es keine Nachtzüge mehr gibt, bleibt als Alternative oft nur das Flugzeug – zum Schaden des Klimas und der Menschen, die unter noch mehr Fluglärm zu leiden haben.

Sparkurs ruiniert die Bahn

Die Sparmaßnahmen wirken sich aber ebenso auf die Instandhaltung aus. Es gibt fast keine Züge mehr als Reserven, und nach dem Abbau vieler Stellen in den Werkstätten kommt das Personal mit den Reparaturen oft kaum hinterher. Gerade sollen aber wieder weitere Werkstätten geschlossen werden. Die Folge ist genau das, was wir immer wieder im Schienenverkehr erleben: Züge sind defekt und bleiben liegen oder können erst gar nicht auf die Strecke gehen, Klimaanlagen oder Bordrestaurants fallen aus, WCs und Türen sind nicht benutzbar. Und auch bei der Instandhaltung des Streckennetzes wird gespart, so dass Züge oft nicht mit der eigentlich zulässigen Geschwindigkeit fahren können und manchmal spontane Baustellen notwendig sind, damit nicht Streckenabschnitte ganz gesperrt werden müssen. Rund ein Viertel der Züge im Fernverkehr ist dadurch verspätet, viele Reisende erreichen deswegen ihre Anschlusszüge nicht und haben dann gleich mehrere Stunden Verspätung.

Aber nicht nur im Personenverkehr gibt es Probleme, sondern auch im Güterverkehr. Auch hier ist die Zuverlässigkeit durch den Personalabbau immer schlechter geworden. Und die Antwort des Bahnmanagements ist nicht etwa ein Strategiewechsel, sondern es sollen noch weitere Stellen abgebaut werden. Diese Arbeitsplätze bei der Bahn als das klimafreundlichste Transportmittel sind gute Arbeit, und sie müssen aus- statt abgebaut werden!

Für eine Bürgerbahn, die den Menschen im Land nutzt

Stattdessen kümmert sich das Management der Deutschen Bahn AG aber lieber um die internationalen Aktivitäten und betreibt inzwischen Tochterfirmen in der ganzen Welt. Die Politik könnte gegensteuern und der Bahn als hundertprozentiges Staatsunternehmen klare Vorgaben machen, was sie zu leisten hat – so wie es beispielsweise die Schweiz mit ihrer Bundesbahn erfolgreich tut. Aber die deutsche Bundesregierung lässt das Management lieber weiter wursteln, anstatt sich Gedanken um die Bahn der Zukunft zu machen.

Wir fordern, dass die Bundesregierung der Deutschen Bahn endlich klare Vorgaben macht – für eine Bürgerbahn, die allen Menschen im Land nutzt und zuverlässigen und bezahlbaren Schienenverkehr organisiert. Dafür streiten wir im Bundestag und ebenso außerhalb.


Weiterführende Informationen:

Sabine Leidig: Schluss mit Schrumpf- und Abbau-Bahn!

A-Z: Bahn der Zukunft


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