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://about Arbeitszeit: Schutzgesetze verteidigen und ausbauen

Nachricht von Susanne Ferschl, Pascal Meiser, Jutta Krellmann, Jessica Tatti,

Arbeitszeiten müssen zum Leben passen. Deshalb ist Arbeitszeitsouveränität für Beschäftigte so wichtig. Wie diese Wirklichkeit wird, darüber haben auf Einladung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag 200 Betriebsräte und Personalräte diskutiert.

Fast auf den Tag genau 100 Jahre nachdem das Arbeitsschutzgesetz von der Gewerkschaftsbewegung erkämpft wurde - Eben dieses Gesetz wird gerade von der Arbeitgeber-Lobby angegriffen. Unter dem Vorwand der Digitalisierung wollen der Bunde der deutschen Industrie und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände die Regelungen zum 8-Stunden-Tag und zu den Ruhezeiten kippen.

Der Angriff auf das Arbeitsschutzgesetz ist nur die Spitze des Eisbergs an negativen Entwicklungen bei der Arbeitszeit, das wurde bereits beim Auftaktpodium der Konferenz deutlich: Entgrenzung der Arbeit, Überstunden, Arbeit auf Abruf. Der Arbeitsdruck steigt und immer mehr Beschäftigte kommen an ihre Belastungsgrenzen. Gute Gründe also, um aus verschiedenen Blickwinkeln auf die Arbeitszeit zu schauen, zu diskutiert und gemeinsam solidarische Antworten zu suchen. Zustande kam eine Mischung aus Wissenschaftler/innen, Gewerkschafter/innen, Abgeordneten der LINKEN und vor allem den Experten aus den Betrieben: den Betriebs- und Personalräten.

In der Arbeitsgruppe „Alle Macht den Räten“? wurde der Zusammenhang von Mitbestimmung und Arbeitszeit beleuchtet. Studien zeigen eindeutig: in mitbestimmten Betrieben läuft es besser mit der Arbeitszeit, als in Betrieben ohne Betriebsrat. In Zeiten, in denen Beschäftigte über Kennzahlen gesteuert werden und immer in Gefahr sind, sich selbst auszubeuten, ist gute Arbeitszeitkontrolle eine Herausforderung. Denn Arbeitszeitregulierung zu verbetrieblichen birgt durchaus Risiken. Deshalb fordern die Praktiker, dass durch Dienst- oder Betriebsvereinbarungen keinesfalls von den gesetzlichen Ruhezeiten abgewichen werden darf.

Unsere Gesellschaft hat ein Problem mit ungleich verteilter Arbeitszeit

Allzeit bereit für die Arbeit möchte niemand sein. Dennoch bestimmt die Arbeit auf Abruf den Alltag von immer mehr Beschäftigten. Interessenvertreter/innen aus unterschiedlichen Branchen berichteten darüber, welche negativen Auswirkungen damit verbunden sind und was man dagegen tun kann. In Arbeitsgruppe „Wem gehört die Zeit?“ wurde deutlich: Unsere Gesellschaft hat ein Problem mit ungleich verteilter Arbeitszeit. Einige sammeln Überstunden ohne Ende, andere kommen einfach nicht aus der Teilzeitfalle. Das ist auch ein Gerechtigkeitsproblem. Eine Umverteilung von Arbeitszeit in der Gesellschaft tut Not. Dabei gleichen sich gute Ansätze aus der Praxis branchenübergreifend. Ob ein Mitarbeiter*innen-Pool um Ausfallzeiten in der Pflege abzufangen oder Brutto-Schicht-Modelle in der Industrie: Mehr Kolleginnen und Kolleginnen, statt mehr Arbeitsverdichtung und -hetze ist besser für alle.

Stehen wir hier vor einer Zeitwende bei der Arbeitszeit? Tatsächlich haben sich gerade die Bedürfnisse der jüngeren Beschäftigten gewandelt. Keine Lust auf Überstunden und der Wunsch Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen sind hier die Stichworte. Die richtigen Antworten auf diese Bedürfnisse liefern die derzeitigen Bewegungen für neue Arbeitszeitregelungen in Tarifverträgen. Die Kolleginnen und Kollegen von IG Metall und EVG haben hier aktuell Erfolge erzielt. Diese Beispiele zeigen: Auch wenn die Arbeitswelt immer unübersichtlicher wird, gibt es einen gesellschaftlichen Rückenwind für mehr Arbeitszeitsouveränität für Beschäftigte. Es gilt diesen gemeinsam zu nutzen.

In Zeiten der Digitalisierung reicht Defensive alleine nicht aus

Beim Abschlusspodium der Betriebsrätekonferenz 2018 waren sich dann auch alle einig: Die bestehenden Arbeitsschutzgesetze müssen gemeinsam verteidigt werden. Es darf keine Aufweichung und keine Experimente geben. Verstöße müssen besser kontrolliert und geahndet werden. Aber in Zeiten der Digitalisierung reicht Defensive alleine nicht aus. Viel Zuspruch fand deshalb der Vorschlag einer neuen Arbeitszeit-Offensive. Die gelingt nur mit einem breiten gesellschaftlichen Bündnis aus Gewerkschaften, engagierten Personal- und Betriebsräten, kämpferischen Beschäftigten und einer starken LINKEN im Deutschen Bundestag. Durch den Dreiklang aus flächendeckenden Tarifverträgen, starker Mitbestimmung in den Betrieben und guten gesetzlichen Rahmenbedingungen rücken die Ziele in Reichweite, die bei der diesjährigen Betriebsrätekonferenz formuliert wurden. Ob „neues Normalarbeitsverhältnis oder „kurze Vollzeit für alle“. Gemeinsam wird mehr Arbeitszeitsouveränität für alle Beschäftigten durchgesetzt.

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