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Wochen ohne Ende?

Nachricht von Susanne Ferschl,

Viele Beschäftigte arbeiten zu atypischen Arbeitszeiten: Abend- oder Nachtarbeit sowie Arbeit an Wochenenden und Feiertagen ist weit verbreitet. Bei Leiharbeit und befristeter Beschäftigung sind atypische Arbeitszeiten besonders stark ausgeprägt. Das belegen Zahlen, die aus der Antwort der Bundesregierung (PDF) auf eine Kleine Anfrage von Susanne Ferschl hervorgehen:

  • Jede/r vierte Beschäftigte arbeitet am Wochenende. 9 Millionen Beschäftigte arbeiten damit an jedem oder mindestens an zwei Wochenenden im Monat. 
  • Jede/r zehnte Beschäftigte arbeitet an Sonn- und/ oder Feiertagen. 4,7 Millionen Beschäftigte arbeiten damit an jedem oder mindestens an zwei Sonn- oder Feiertagen in den letzten vier Wochen.
  • Jeder siebte Beschäftigte arbeitet in Schicht. 5,2 Millionen arbeiten an jedem Arbeitstag oder an mindestens der Hälfte der Arbeitstage in den letzten vier Wochen in Schicht. 
  • Knapp jeder Fünfte arbeitet abends und 5,2 Prozent nachts. An jedem Arbeitstag oder an mindestens der Hälfte der Arbeitstage in den letzten vier Wochen arbeiteten somit 6,8 Millionen abends und 2 Millionen Nachts.
  • 1,6 Millionen Beschäftigte arbeiten 49 Stunden oder mehr in der Woche. Dabei steigt das Unfallrisiko nach der achten Arbeitsstunde stark an, während die Produktivität und die Leistungsfähigkeit gleichzeitig sinken.

Die Umstellung der Erhebung des Mikrozensus hat dazu geführt, dass der kontinuierliche Anstieg von atypischen Arbeitszeiten nicht mehr abgebildet werden kann und eine Vergleichbarkeit zu früheren Daten nicht mehr möglich ist. Auffällig ist jedoch, dass eine Diskrepanz von über 500.000 Schichtarbeiter/innen, 2 Millionen Abend- und 1,3 Millionen Nachtarbeiten/innen sowie 416.000 Beschäftigte die Sonn- und/oder an Feiertagen arbeiten, im Vergleich zu 2016 besteht. 

Atypische Arbeitszeiten bergen gesundheitliche Gefahren: Schichtarbeitende klagen häufiger über Schlafstörungen, Rücken- und Kreuzschmerzen und körperliche Erschöpfung. Beschäftigte, die am Wochenende arbeiten, über Müdigkeit und Rückenschmerzen. Diejenigen, die Überstunden leisten, berichten durchgängig häufiger von körperlichen und psychischen Beschwerden. Beschäftigte mit hohen Einflussmöglichkeiten auf ihre Arbeitszeiten, berichten hingegen deutlich seltener von gesundheitlichen Beschwerden. 

Susanne Ferschl, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag:

„Atypische Arbeitszeiten belasten soziale Bindungen - Wochenende heißt für viele schon lange nicht mehr Freizeit und Familie. Beschäftigte müssen ihr Leben immer öfter den Interessen von Arbeitgebern und Marktzwängen unterordnen. Profitinteressen dürfen nicht über die sozialen Bedürfnisse und die Gesundheit von Menschen gestellt werden! Es ist nachvollziehbar, dass im Krankenhaus oder bei der Bahn sonntags gearbeitet werden muss – aber sonntags Einkaufen muss nicht sein! Wer eine  immer weitere Ausweitung der Arbeitszeiten fordert, der vergeht sich an den Beschäftigten und ihren Familien.“

Hier die Auswertung der Ergebnisse im Einzelnen als PDF herunterladen

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