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Sechs Fragen an Andrej Hunko

Im Wortlaut von Andrej Hunko,

35 der 76 Abgeordneten, die DIE LINKE im 17. Bundestag stellt, sind neu gewählte Mitglieder des Parlaments. Welche Erwartungen haben sie? Was haben sie vor? linksfraktion.de fragt nach.


Andrej Hunko, 46, Angestellter aus Nordrhein-Westfalen

Sie sind jetzt Volksvertreter. Wie wollen Sie die Interessen der Menschen vertreten?

Aufdecken, den Finger in die Wunde legen, aufklären, Mut zum Widerstand machen. Ich verstehe mich nicht in erster Linie als Stellvertreter für eine zuschauende Mehrheit, sondern als Teil einer gesellschaftlichen Linken und all der Menschen, die sich gegen unerträgliche Zustände wehren wollen, wie z.B. zurzeit die Gebäudereinigerinnen und -reiniger. Die Möglichkeiten, die das Mandat dafür bietet, will ich nutzen.

Wie wollen Sie konkret den Widerstand gegen Sozialabbau und Krieg stärken?

Unter anderem durch eine klare Sprache. Mit vernebelnder Sprache sollen die Menschen eingelullt werden. Klare Worte und Begrifflichkeiten sind für eine Widerstandsbewegung unabdingbar. Ein gutes Beispiel dafür war die Parole der damaligen PDS »Hartz IV ist Armut per Gesetz«. Heute geht es z.B. darum, den Krieg in Afghanistan auch Krieg zu nennen. Da weigert sich bislang die Bundesregierung. Ich würde auch den entsprechenden Minister, der damit beauftragt ist, Kriegsminister nennen.

Welche persönlichen Erfahrungen können Ihnen den Start als Parlamentarier erleichtern?

Ich habe im Laufe meines Lebens sehr unterschiedliche Blickwinkel eingenommen, sei es als Medizinstudent im Praktikum in einem Armenkrankenhaus in Mexiko-City, als Arbeitssuchender in einem modernen »Sklavenlager« für Illegalisierte in Süditalien oder als Hartz-IV-Empfänger auf den Fluren der »Arbeitsagentur«. All diese Erfahrungen können auch jetzt im Parlament nützlich sein. Ich glaube, man relativiert die Dinge etwas mehr, wenn man sich nur in einer medialen Scheinwelt bewegt.

Was würden Sie in ihrer ersten Bundestagrede der Kanzlerin gern einmal sagen?

Um ganz ehrlich zu sein, weiß ich nicht, was ich speziell der Kanzlerin sagen würde. In einer Bundestagsrede würde ich mich in erster Linie an die Menschen draußen wenden. Die Bundeskanzlerin handelt entsprechend der gesellschaftlichen Verhältnisse. Ich würde darauf abzielen, diese Verhältnisse zu ändern.

Wie wollen Sie sich davor schützen, im Raumschiff Bundestag die Bodenhaftung zu verlieren?

Einfach so bleiben, wie ich bin und die enge Verbindung zu ganz normalen, auch unpolitischen, Leuten halten. Meine persönlichen Lebensumstände werden sich nicht großartig ändern. Ich will mich aber vor allem nicht verbiegen, um innerhalb des Raumschiffes Bundestag vermeintliche Erfolge zu feiern.

Alle Abgeordneten der LINKEN spenden bisher ihre Diätenerhöhung. Wofür wollen Sie sich persönlich besonders engagieren?

Mit den Spenden würde ich gerne Initiativen unterstützen, die sich gegen Sozialabbau, Rassismus oder Krieg wenden und eine Kultur des Widerstandes und der Solidarität ausstrahlen. Wir brauchen auch in Deutschland dringend eine solche gesellschaftliche Kultur, wie sie in Frankreich viel ausgeprägter ist.

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