Zum Hauptinhalt springen

Ohne Timoschenko und mit Russland

Im Wortlaut von Sevim Dagdelen,

Sevim Dagdelen im Interview mit der Stimme Russlands zu den jüngsten Äußerungen der ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko und   die Haltung der Bundesregierung im Konflikt um die Krim  

 

Frau Dagdelen, Julia Timoschenko sagte wortwörtlich, sie sei bereit, eine Maschinenpistole in die Hand zu nehmen und diesem Drecksack in die Stirn zu schießen. Gemeint was Russlands Präsident Putin. Nimmt sich Timoschenko damit selbst aus dem Rennen um das Amt des neuen Präsidenten?

Sevim Dagdelen: Ich vermute mal, nachdem der Westen und auch die Deutsche Bundesregierung ganz offen Antisemiten und Faschisten in der Putschregierung in der Ukraine unterstützt haben, werden sie vermutlich auch mit einer Timoschenko - die ganz offen hier rassistisch eine anti-russische Hetze betreibt - keine Probleme haben. Bis heute galt sie auch als Bekannte und Freundin von Kanzlerin Merkel. Die selbst eingeladen wurde, in der Berliner Charité behandelt zu werden. Was ich schon sehr merkwürdig fand. Und insofern befürchte ich noch Schlimmeres.

Glauben Sie denn, dass dies nur ein Versuch Timoschenkos gewesen ist, bei dem anti-russischen westen der Ukraine auf Stimmenfang zu gehen?

Das kann natürlich auch sein. Aber ich denke, dass eine Timoschenko tatsächlich auch in einer solchen Sprache denkt. Das ist ja auch wohl nicht das erste mal, dass sie vulgäre und obszöne Sprache verwendet haben soll, liest man in der Presse. Insofern kann das aber natürlich auch kalkuliert sein. Was im Westen unter den Faschisten und ihren Anhängern und Sympatisanten eine stärkere Unterstützung für ihre Präsidentschaftskandidatur bedeuten würde, die nach wie vor geplant ist.

Der Sprecher der Kanzlerin sieht "Grenzen überschritten". Dennoch müsste man bei einer Wahl Timoschenkos mit ihr zusammenarbeiten. Wie soll das funktionieren?

Der Westen hat in Europa ein Regime-Change mit Beteiligung von Faschisten schon im Vorfeld unterstützt. Hat diese anerkannt, hat mit ihnen einen Teil des Assoziierungsabkommens verhandelt. In so fern ist das Tabu eh schon gebrochen. Was nicht heißt, dass ich das gut heiße, ich kritisiere das nach wie vor. Ich finde, mit einer Regierung an der Faschisten beteiligt sind, aber auch Rassisten wie eine Timoschenko und ihre Gesinnungsgenossen in der Vaterlandspartei, darf man nicht verhandeln.

Für den 25. Mai sind die PRäsidentschaftswahlen in der Ukraine angesetzt, Timoschenko liegt nach jüngsten Umfragen bei nur 10 Prozent der Stimmen. Doch wenn wir auf Timoschenkos Vergangenheit schauen, war sie bisher ja immer für eine Überraschung gut...

Das mag wohl sein. Und der Westen hält ja auch sehr große Stücke auf sie. Selbst nach ihrem Hitlervergleich mit Putin, der sich meines Erachtens absolut verbietet, wurde sie ja immer noch gehandelt als die große Favoritin. Es gibt sehr große Oligarchengruppen hinter ihr, die ja auch ein Raubvermögen hat. Und ich könnte mir vorstellen, dass mit diesem Geld auch versuchen wird, die Wahlen für sich zu reklamieren.

Die Lage in und um die Ukraine ist sehr fragil. Im Ukrainischen Übergangsparlament sind mit der Swoboda rechte Strömungen und PRemier Jatzenjuk demonisiert Raussland weiter. Aber hat der Westen schlicht keine andere Wahl, als diese Regierung zu unterstützen?

Natürlich hat der Westen eine Wahl. Die USA haben ja schon offiziell bekannt gegeben, dass sie 5 Milliarden US-Dollar bezahlt haben für Subversionsarbeit gegen die legitime Regierung. Man mag ja von Janukowitsch halten was man will, ich halte ihn selbst auch für einen Gauner, wie viele andere Oligarchen. Aber er war legitim gewählt worden, frei gewählt worden. Und die jetzige Regierung ist illegitim. Und ich denke, der Westen hat sehr viele Fehler gemacht. Allein schon die Ukraine zu zwingen sich zu entscheiden zwischen Russland und dem Westen, das war schon falsch. Aber diese Wege der Eskalation werden ja weiter vorangetrieben durch die Sanktionsspirale, die jetzt in Gang gesetzt worden ist. Auch durch die Gesprächskanäle, die jetzt gestoppt werden. Zum Beispiel G8-Ausschluss von Russland oder auch im Europarat Ausschluss von Russland. Oder in den parlamentarischen Treffen der NATO die russische Delegation auszuladen, das finde ich alles lächerlich, undiplomatisch und das bringt uns auch keinen Schritt weiter in einer Dialoglösung. Mann muss einen Dialog über die Ukraine mit Russland suchen. Und dazu ist aber der Westen leider noch nicht bereit. Und ich hoffe, die Vernünftigen, die es ja auch gibt im Westen, dass die irgendwann die Mehrheit bilden. Und das damit eine Rationalität einkehrt in die westliche Politik.

Also abschließend ganz kurz: wer muss an den runden Tisch, um die Ukraine wieder auf Kurs zu bringen?

Es geht nur mit einem Dialog mit Russland. Nicht gegen Russland.

Stimme Russlands, 26. März 2014

 

Auch interessant