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Nein zum Küstenautowahn

Im Wortlaut von Herbert Behrens,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.

Sind gegen Küstenautowahn: Friedrich Schulze und Helmut Behrens 

 

Seit Jahren kämpfen Bürgerinitiativen und Umweltverbände gegen den Bau der Küstenautobahn A 20/22. Die Trasse soll an die Nordautobahn in Schleswig-Holstein anknüpfen, bei Drochtersen die Elbe queren und 120 Kilometer weiter westlich bei Westerstede in die A 28 münden. Die Baukosten werden auf mindestens 1,2 Milliarden Euro geschätzt. Als Verkehrspolitiker interessiere ich mich natürlich dafür und traf mich am vergangenen Mittwoch in Ovelgönne mit Vertretern der Bürgerinitiativen. 

  Wir als Linke halten die Küstenautobahn für nicht verträglich. Die Querverbindung macht keinen Sinn, sie fördert nur den Schwerlastverkehr zwischen Danzig und Rotterdam. Die vom Jade-Weser-Port ausgehenden Verkehrsströme werden hingegen in Nord-Süd-Richtung fließen. Im Zuge einer ökologischen Transportpolitik muss der Verkehr abgebaut werden, anstatt zusätzlichen zu erzeugen. Deshalb plädiere ich für eine Verlagerung der nicht zu verhindernden Verkehrsströme auf die Schiene. Die für die A20-Planungen zugrunde liegenden Verkehrsprognosen und Rentabilitätsuntersuchungen scheinen mir schlicht nicht plausibel.    Friedrich Schulze engagiert sich in der 120 Mitglieder starken Bürgerinitiative Rastedermoor. "Wirtschaftlich bringt die A 20/ 22 überhaupt keinen Vorteil", sagte Schulze. Vielmehr müssten Schienen und Wasserstraßen ertüchtigt werden. Zudem sei es sinnvoll, am Jade-Weser-Port einlaufende Waren auf kleinere Schiffe umzuladen ("Ship-to-Ship-Transfer").   Die Gegner der Autobahn verwiesen im Gespräch mit mir auf die komplexen geohydrologischen Verhältnisse. Ein Großteil der Autobahnkilometer würde durch mächtige Moore und Schwemmland gehen, gab der A20-Gegner Falk Paulat zu bedenken. Vielerorts gebe es meterdicke Schichtungen von Sand, Klei und Torf. "Klei ist wie Butter", so Paulat. Hinzu kämen laut Schulze die unterirdischen Altarme der Weser, die bis tief ins Marschland reichten. Um festen Grund für die Trasse zu bekommen, seien kostspielige, tiefe Ramm- oder Auskofferungsarbeiten von Nöten. Beim Bewegen des Moores würden außerdem große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid freigesetzt. Die Auswirkungen auf den Wasserhaushalt seien nicht vorhersehbar.    Ich nahm mir mehrere Stunden Zeit, um mit Friedrich Schulze Punkte der geplanten Autobahntrasse zu besuchen. Die Trasse würde dicht an Naherholungs- und Vogelschutzgebieten sowie Ortschaften vorbeiführen. Zudem würde sie Bauerngehöfte zerschneiden und das Landschaftsbild zerstören. Die A 20 bedroht nach Meinung der Gegner auch das auf sanften Tourismus setzende Fremdenverkehrskonzept der Region. Wasserwanderer, Radtourler und Reiter würden ausbleiben, fürchtete Schulze. Das wiederum hätte dramatische Folgen für die zahlreichen Melkhus- und Ferienwohnungsbetreiber. Ich sicherte den Bürgerinitiativen meine Unterstützung zu. Nicht zuletzt, weil durch die Autobahn eine einmalige Kulturlandschaft zerstört würde.

Von Herbert Behrens
linksfraktion, 20. Juli 2011

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