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Jede zweite Rente unter 800 Euro

Nachricht von Sabine Zimmermann,

Auswertung der Antwort der Bundesregierung (PDF) vom 09.07.2018 auf die schriftliche Frage "Armutsgefährdungsquote allein lebender Rentnerinnen und Rentner" von Sabine Zimmermann, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik der Fraktion DIE LINKE im Bundestag.

62 Prozent aller Altersrenten betrugen im Jahr 2016 weniger als 1000 Euro, 48 Prozent sogar weniger als 800 Euro. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Frage der Abgeordneten Sabine Zimmermann, Sozialexpertin der Fraktion DIE LINKE. im Deutschen Bundestag, die auch Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist, hervor. Die Daten beziehen sich auf die Rentenzahlbeträge, also den Betrag der Rente nach Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen und vor Abzug von Steuern.

Die Bundesregierung erläutert, dass in den Zahlen auch Renten von Personen mit kurzen Rentenversicherungszeiten enthalten sind. Das betrifft zum Beispiel Beamte oder Selbstständige, die zu Beginn ihrer Erwerbsbiografie kurzzeitig abhängig beschäftigt waren. Ferner gebe die Rentenhöhe nur eingeschränkt Auskunft über die Einkommenssituation im Alter.

Die Zahlen zeigen, dass schon heute ein großer Teil der Rentnerinnen und Rentner gesetzliche Rentenbezüge unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle und sogar unter der Grundsicherungsschwelle erhält. Das wäre auch dann noch der Fall, wenn man Kleinstrenten für kurze Versicherungszeiten herausrechnen würde. Mit Blick auf die Zukunft sind diese Werte besorgniserregend. Die Biografien künftiger Rentengenerationen werden anders aussehen als die heutiger Rentnerinnen und Rentner. Was derzeit noch bei vielen Rentnerinnen und Rentnern das Abrutschen in die Armut verhindert, ist eine Absicherung über den Ehepartner oder über eine gute Betriebsrente. Diese Absicherungsformen werden aber immer seltener. Die Alleinverdienerehe entspricht längst nicht mehr der Lebenswirklichkeit, und arbeitgeberfinanzierte, hohe Betriebsrenten gibt es nur noch für einen kleinen Beschäftigtenkreis. Zugleich wird das gesetzliche Rentenniveau schon in wenigen Jahren kräftig sinken. Betriebsrenten und private Vorsorge können diese Lücke nicht kompensieren. Geringverdienende können sich ohnehin keine private Vorsorge leisten. Deshalb ist steigende Altersarmut vorprogrammiert.

Niedrige Löhne ziehen niedrige Renten nach sich. Doch nach einem Leben voller harter Arbeit hat jeder Mensch das Recht, seinen verdienten Ruhestand in Würde zu verbringen. Es ist höchste Zeit, systematisch gegen Niedrigrenten und Altersarmut vorzugehen. Das gesetzliche Rentenniveau muss wieder auf 53 % steigen. DIE LINKE. fordert auch eine solidarische, einkommens- und vermögensgeprüfte Mindestrente von 1.050 Euro. Niedrigeinkommen müssen in der Rentenberechnung hochgewertet werden. Das Instrument dazu gibt es schon. Man müsste es nur verbessern und für Zeiten ab 1992 fortführen. Schließlich brauchen wir einen altersarmutsfesten Mindestlohn, damit sich Arbeitgeber wieder an der Finanzierung einer existenzsichernden Rente beteiligen.

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