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Gute Fanarbeit verhindert Gewalt im Stadion

Nachricht von Jens Petermann, Frank Tempel,

Einen Dialog auf Augenhöhe führten gestern die Sachverständigen einer Öffentlichen Anhörung mit den Mitgliedern des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Das Thema der Anhörung, die auf einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen hin durchgeführt wurde, lautete „Gewalt in und um Stadien“ Eingeladen waren Vertreter des Deutschen Fußballverbandes (DFB), der Deutschen Fußballiga (DFL), der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, Vereins- und Fanvertreter sowie Angehörige der Polizei.

Gewalttätige Ausschreitungen in oder im Umfeld von Stadien sind nicht neu. Einen medialen Höhepunkt erreichten im Oktober letzten Jahres die Krawalle beim Spiel zwischen Dynamo Dresden und Borussia Dortmund. Durch dieses und andere solche Ereignisse sowie die Veröffentlichung des Jahresberichts der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze hat die Debatte neuen Zündstoff bekommen. Das Spiel Dynamo Dresden gegen Borussia Dortmund hat auch deshalb so viel Beachtung gefunden, da erstmals ein gesamter Verein aus dem Pokalwettbewerb ausgeschlossen werden soll. Dynamo Dresden, die als Gast in Dortmund, hauptsächlich für die Geschehnisse verantwortlich gemacht werden, hat gegen diese Sanktion Berufung eingelegt. Das endgültige Urteil bleibt abzuwarten.

Die AG Sport der Fraktion DIE LINKE hat im Vorfeld der Anhörung das Gespräch mit dem Verein gesucht und den Präsidenten, Andreas Ritter, als Sachverständigen vorgeschlagen. So hatte er gestern die Gelegenheit, sich zu dieser Problematik zu äußern.

Frank Tempel, Mitglied im Innenausschuss und stellvertretendes Mitglied im Sportausschuss, nutzte die Gelegenheit und fragte nach, ob diese Maßnahme von den Fans  „als Warnschuss wahrgenommen wird, oder ob dadurch eher Wut und Gegendruck entsteht?“. Andreas Ritter bestätigte Letzteres und berichtete von einer Solidarisierungswelle von etwa 27.000 Fans, die sich in Sippenhaft genommen und ungerecht behandelt fühlen. Die Fans spielen bei dieser Thematik eine entscheidende Rolle. Dies wurde auch in der Anhörung deutlich. Ein Großteil hat erkannt, dass  Krawallmacher dem Fußball und dem Ansehen der Fankultur schaden. Sie sind bereit, Selbstkritik zu üben und beteiligen sich aktiv an der Diskussion. Sie fordern auch ausdrücklich ein, dass man nicht nur über sie, sondern mit ihnen spricht. Neben der Kommunikation spielt aber auch die Prävention eine große Rolle. Hier sind neben den Vereinen besonders die Fanprojekte aktiv, deren Arbeit übereinstimmend gelobt wurde. Sorge bereitet es jedoch, wenn Fanprojekte aus finanziellen Gründen geschlossen oder gar nicht erst gegründet werden, weil Länder oder Kommunen den Beitrag zur Drittelfinanzierung nicht aufbringen können. Für eine nachhaltige Fanarbeit braucht es Planungssicherheit und eine langfristige Finanzierung.

Mit Blick auf die Polizei hakte Jens Petermann, rechtspolitischer Sprecher der Fraktion und Mitglied im Sportausschuss nach und fragte, „wie Feindbilder, die sowohl auf Seiten der Fans wie auch auf Seiten der Polizei bestehen, abgebaut werden können?“. Michael Gabriel, der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, lobte in seiner Antwort das kommunikative Polizeieinsatzkonzept von Hannover. Dazu gäbe es positive Rückmeldungen von den Fans und es wäre wünschenswert, dass derartige Konzepte bundesweit einheitlich geschaffen würden.

Ein Wunsch, der von allen Sachverständigen nahezu einhellig geäußert wurde, bezog sich auf die öffentliche Berichterstattung. Vielfach würden Begriffe wie Fans, Pyrotechnik, Gewalt und Fußball undifferenziert vermischt, was mit dazu beiträgt, dass die Debatte zu emotionsgeladen wird. Es besteht eine große Einigkeit darüber, dass Gewalt weder im Stadion noch in der Gesellschaft etwas zu suchen hat. Die Beteiligten müssen sich in einer sachlichen Auseinandersetzung nun aufeinander zu bewegen, um einen gemeinsamen Weg zu finden. Es bleibt zu hoffen, dass der eingangs erwähnte Dialog auf Augenhöhe weiterhin zwischen den Beteiligten geführt wird, um geeignete Strategien und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die Fraktion DIE LINKE wird diesen Prozess aktiv begleiten und steht auch als Dialogpartner zur Verfügung.

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