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Einkommensungleichheit in Deutschland hat seit 2000 deutlich zugenommen

Nachricht von Pascal Meiser,

Nicht nur aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts ist die Entwicklung der Einkommensungleichheit von zentraler gesellschaftlicher Bedeutung. Zahlreiche Studien belegen: Gesellschaften, in denen Einkommen und Vermögen relativ gleich verteilt sind, schneiden wirtschaftlich deutlich besser ab, als mit einer relativ hohen Einkommensungleichheit. Der gewerkschaftspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Bundestag wollte deshalb von der Bundesregierung wissen, wie sich die Einkommensungleichheit in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat. Die Antwort [PDF] der Bundesregierung belegt, dass die Besserverdienenden in Deutschland einen immer größeren Anteil vom Kuchen abbekommen.

Allein die Zahl der Einkommensmillionäre ist seit 2001 auf über 17.000 angestiegen - und hat sich damit verdoppelt. Zugleich verfügten die zehn Prozent mit den höchsten Einkommen im Jahr 2015 über 23,4 Prozent der gesamten Einkommen. Das oberste Prozent der Einkommen hat sogar einen Anteil von fünf Prozent am gesamten Einkommen. Die zehn Prozent mit den geringsten Einkommen erhielten hingegen nur 3,3 Prozent des verteilten Geldes. Im Jahr 2000 war dieses Verhältnis für das untere Zehntel dagegen noch etwas besser ausgefallen: Damals erzielte es immerhin 3,9 Prozent der Einkommen, während das oberste Zehntel auf 21,3 Prozent kam. Zeitweise hatten die Reichsten sogar noch etwas besser abgeschnitten. Ein Jahr vor dem Ausbruch der Finanzmarktkrise, also im Jahr 2007, entfielen auf die obersten zehn Prozent sogar ein Einkommensanteil von 23,8 Prozent.

Eine besonders bittere Lage weist die Statistik für das unterste Prozent der Steuerstatistik aus: Diese Menschen verbuchten im Schnitt mehr Verluste als sie an Einkommen erzielten. Betroffen waren nach Auskunft der Bundesregierung vor allem Selbstständige. Ein negatives Jahresergebnis könne sich ergeben, „wenn die selbstständige Tätigkeit Verlust einbrachte“, oder es könne „Folge von Steuernachzahlungen“ sein, so die Bundesregierung in ihrer Antwort.

Die Einkommensungleichheit hat in den vergangenen 20 Jahren deutlich zugenommen. Sie bemisst sich nach dem sogenannten Gini-Koeffizient. Er bewegt sich zwischen null und eins. Je höher er ausfällt, desto ungleicher sind die Einkommen in einer Gesellschaft verteilt. Der Gini-Koeffizient ist zwischen 2000 und 2015 um fast vier Punkte angestiegen. Im EU-Vergleich liegt Deutschland hinsichtlich der Einkommensungleichheit mittlerweile auf Platz 12. Von den Nachbarländern verzeichnen nur Polen, Frankreich und Luxemburg einen höheren Gini-Koeffizient. Die Niederlande, Belgien, Dänemark, Schweiz, Tschechien und Österreich haben dagegen eine niedrigere Quote. Im Bundesländervergleich fällt auf, dass der Gini-Koeffizient in den neuen Bundesländer (0,27) wesentlich niedriger ausfällt als der der alten Bundesländer (0,30). Am niedrigsten ist der Gini-Koeffizient für Thüringen (0,24), Sachsen (0,25) und Sachsen-Anhalt (0,25). Am höchsten ist die Quote für Hamburg (0,32) und Hessen (0,31) sowie Bremen (0,31).

„Die neuen Zahlen bestätigen all die, die seit Jahren vor der immer weiter auseinanderklaffenden Einkommensschere warnen. Doch die Große Koalition tut nichts, um diese Entwicklung zu stoppen oder gar rückgängig zu machen. In Zeiten, in denen der gesellschaftliche Zusammenhalt zusehends erodiert, ist eine solche Ignoranz ein Spiel mit dem Feuer“, so Meiser. Um die wachsende Einkommensungleichheit einzudämmen brauche es einen armutsfesten Mindestlohn sowie eine Stärkung der Tarifbindung. Notwendig sei außerdem „eine große Steuerreform, die die unteren und mittleren Einkommen entlastet und dafür die Reichen und Superreichen in unserem Land stärker zur Kasse bittet“.

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