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Die engagierte Arbeit einer islamischen Gemeinde

Im Wortlaut von Nicole Gohlke,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.


Gönül Yerli führt durch die Moschee in Penzberg - Nicole Gohlke (r.)

 

Am 19. Juli 2011 besuchten wir mit Mitgliedern des Kreisverbands DIE LINKE Oberland das islamische Zentrum in Penzberg und bekamen eine sehr kluge Führung von Gönül Yerli durch die modernste Moschee Deutschlands. Sie ist ein international bekanntes kulturelles Zentrum mit Schulungseinrichtung, hat einen Architekturpreis gewonnen und steht allen offen.

Wir haben viel über die engagierte Arbeit der islamischen Gemeinde vor Ort gelernt. Sie wird nach wie vor vom Verfassungsschutz beobachtet; obwohl die Kommune in Penzberg diesen Umstand - und zwar Parteien übergreifend - kritisiert und hinter dem islamischen Zentrum steht. Bei einem Tee mit Gönül Yerli, Benjamin Idriz und Bayram Yerli diskutierten wir auch über die psychologischen Auswirkungen der pauschalen Vorverurteilung gläubiger Menschen als Terroristen, Kriminelle u.a. Und das in einem Land, mit einer Verfassung, die doch eigentlich Glaubensfreiheit garantiert! Wie ist es möglich, dass Zuständigkeiten der Regierung für den Islam im Bundesinnenministerium liegen? Die katholische Kirche würde sich wohl bedanken!

In der daran anschließenden Veranstaltung im Kulturzentrum Murnau beschäftigten wir uns mit den Revolutionen in den arabischen Ländern. Magdi Gohary, der die Revolution in Ägypten selbst mit erlebte, hält die Entwicklung und die Veränderungen, die es dort gegeben hat für "unumkehrbar": "Die politische Situation im Nahen Osten hat sich tiefgreifend geändert." Inzwischen sitzen viele der damalig verantwortlichen Politiker Ägyptens im Gefängnis. Gerade weil es eine "führungslose" Revolution war, die hauptsächlich von den jungen Leuten ausging, sei sie dort positiv verlaufen, so Magdi Gohary.

Ich wies auf die Heuchelei unserer Regierung hin, die einerseits die demokratischen Bewegungen euphorisch begrüßte, aber weiterhin Waffen und logistische Unterstützung an die Regime dieser Länder liefert und gute Geschäfte macht. Auch hier sehen wir, wie einerseits das Denken der Mehrheit in unserem Land und die Profitinteressen der Mächtigen dieses Landes im Widerspruch zueinanderstehen.

Es war eine spannende Veranstaltung, die auch einmal den Blick auf das internationale Geschehen richtete. Weltweit ist vieles im Umbruch - und wir erfahren durch unsere Medien kaum etwas davon. Wir haben uns an diesem Tag wieder einmal daran erinnert, dass Politik Spaß macht.

Von Nicole Gohlke

linksfraktion.de, 19. Juli 2011

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