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2. Queer-Empfang im Zeichen des vor 20 Jahren verstorbenen Dichters Ronald M. Schernikau

Nachricht von Gregor Gysi, Barbara Höll,

Zum zweiten Mal luden die Berliner Abgeordnetenhausfraktion und die Fraktion DIE LINKE. im Bundestag zum Queer-Empfang in das Berliner SchwuZ ein. Nach dem letztjährigen fulminantem Start konnten wir diesmal etwa 250 Gäste begrüßen. Gloria Viagra, Berliner Drag-Queen, führte durch den Abend. Der rechtspolitische Sprecher der Abgeordnetenhausfraktion, Klaus Lederer, berichtete über die Umsetzung der bundesweit einmaligen Initiative "Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und die Akzeptanz sexueller Vielfalt" und die Vorhaben der Berliner Linksfraktion in der kommenden Legislaturperiode.

Barbara Höll, queerpolitische Sprecherin der Fraktion im Bundestag, sprach über die Bewegungsunfähigkeit der Bundesregierung in puncto Gleichstellungspolitik und kritisierte die konservative Mauern, beispielsweise beim gemeinsamen Adoptionsrecht für Lesben und Schwule.

Gregor Gysi interviewte die Ehrengäste des Abends, Ellen Schernikau und Thomas Keck, die Mutter und den Lebensgefährten des vor 20 Jahren verstorbenen Literaten Ronald M. Schernikau. Schernikau gehörte zu den wohl schillerndsten Gestalten der deutsch-deutschen Literaturlandschaft. Geboren in Magdeburg, wuchs er nach der gemeinsamen Flucht mit seiner Mutter im Kofferraum eines Diplomatenfahrzeugs in Lehrte bei Hannover auf. Vor seinem Abitur verfasste er den viel beachteten schwulen Coming-Out-Roman "Kleinstadtnovelle". Er war Teil der Westberliner Alternativkultur, studierte in Leipzig Literatur und wurde am 1. September 1989 Staatsbürger der DDR. 1991 starb er an den Folgen seiner HIV-Infektion.

Einige seiner Theateraufführungen feierten ihre Premiere im SchwuZ, dass sich damals noch in der Kulmer Straße in Schöneberg befand. Das SchwuZ ist eine Westberliner Szenelokalität, gegründet von der sozialistisch orientierten Homosexuellen Aktion Westberlin, es wollte eine Alternative zum kommerziellen schwulen Mainstream bieten und dafür steht es auch heute noch. So fand der Empfang an einem Ort statt, wo sich biographischen Linien wiederfanden.

20 Jahre nach dem Tod von Ronald M. Schernikau ist es an der Zeit, das literarische Werk des schwulen sozialistischen Außenseiters wieder stärker zu beleuchten. 

Die Abgeordnetenhausfraktion und die Fraktion DIE LINKE. im Bundestag freuten sich über einen ungezwungenen Gedankenaustausch und zahlreiche Anregungen zur Verzahnung von parlamentarischer Arbeit, außerparlamentarischem Engagement und kultureller Kreativität. Die etwa 250 Personen aus den Bereichen Kunst, Wissenschaft, Journalismus, Verwaltung sowie Bundestagsabgeordnete anderer Parteien nutzten diese Möglichkeit.

Gregor Gysi ging auch auf die dramatische Situation des Atomreaktors in Fukushima ein und betonte "Alle Atomkraftwerke müssen stillgelegt werden! Diese Technik ist nicht beherrschbar." Dem stimmten die Gäste zu.

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