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Deutsche Beteiligung am Pinochet-Putsch in Chile vor 50 Jahren muss aufgearbeitet werden

Pressemitteilung von Jan Korte,

„Die Bundesregierung sollte die Gelegenheit nutzen und endlich reinen Tisch machen. Alle bislang geheim gehaltenen Akten müssen jetzt auf den Tisch. 50 Jahre nach dem Putsch muss geklärt werden, wie viel Blut die damaligen Bundesregierungen und der Bundesnachrichtendienst (BND) an ihren Fingern haben. Denn die sozialliberale Bundesregierung wusste nicht nur frühzeitig von dem bevorstehenden Putsch und unterließ es, Allende zu warnen, sondern war anscheinend jahrelang in dessen Vorbereitung verstrickt. Ich erwarte, dass die Bundesregierung den Jahrestag des Putsches zum Anlass nimmt, sich offiziell bei der chilenischen Regierung dafür zu entschuldigen und nun mit Nachdruck die Errichtung einer Gedenkstätte und eines Dokumentationszentrums vorantreibt“, erklärt Jan Korte, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE, anlässlich der neuen Enthüllungen über die bundesdeutsche Beteiligung am faschistischen Militärputsch gegen die demokratisch gewählte Linksregierung unter Salvador Allende am 11. September 1973 in Chile. Korte weiter:

„Nach dem Putsch, der maßgeblich mit Hilfe der CIA durchgeführt wurde, folgte die Errichtung einer der symbolträchtigsten Diktaturen der Gegenwartsgeschichte. Eine wichtige Rolle spielte dabei offenbar ein deutsches Nazi-Netzwerk aus geflohenen SS-, SA- und Gestapo-Leuten um den als Massenmörder und Kriegsverbrecher gesuchten ehemaligen SS-Standartenführer Walther Rauff. Rauff war 1958 vom BND rekrutiert worden, um ‚die Ausbreitung des Kommunismus auf dem amerikanischen Subkontinent möglichst zu verhindern‘, und wirkte laut Recherchen des WDR maßgeblich am Aufbau des später putschenden chilenischen Sicherheits- und Unterdrückungsapparats mit. Daneben war die ‚Colonia Dignidad‘ von entscheidender Bedeutung. Die deutsche Sekte des überzeugten Antikommunisten Paul Schäfer verfügte über engste Verbindungen zum Pinochet-Regime und dem chilenischen Geheimdienst DINA, der während der Diktatur ein Folterzentrum auf dem Sektengelände betrieb. Dass Sektenchef Schäfer seine Terrorkolonie ungestört betreiben konnte, lag auch am Auswärtigen Amt, das in der Angelegenheit eine erstaunliche Passivität an den Tag legte. Die bisherige Erzählung, dass deutsche Diplomaten über viele Jahre hinweg ‚bestenfalls weggeschaut‘ und ‚jedenfalls eindeutig zu wenig für den Schutz ihrer Landsleute‘ getan hätten, ist offenkundig verharmlosend. Denn der BND wusste nicht nur bereits seit 1966 von ‚KZ-ähnlichen Methoden‘ in der Sekte, sondern er war demnach auch über die geheimen Waffenlieferungen an die ‚Colonia Dignidad‘ im Bilde.“

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