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»Wir sollen wieder an Krieg gewöhnt werden«

Im Wortlaut von Heidrun Dittrich,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.

Heidrun Dittrich (3.v.l.) auf derAntikriegsdemonstration am 7. August in Hannover

Mehrere hundert Kriegsgegnerinnen und -gegner beteiligten sich am 7. August an den Protesten gegen das Sommerbiwak der 1. Panzerdivision in Hannovers Stadtpark. Obwohl die vorgeblichen Ziele des nun neun Jahre währenden Afghanistankrieges gescheitert sind und sich die Besatzung in einen schmutzigen Kolonialkrieg verwandelt hat, soll die 19 000 Mann starke 1. Panzerdivision mit Sitz in Hannover nächstes Jahr Leitdivision der Bundeswehr in Afghanistan werden - als Truppe für's Grobe. Zahlreiche Tote und Verkrüppelte sind vorprogrammiert. 80 Prozent der Deutschen lehnen diesen Krieg ab. Das jährliche Sommerbiwak der 1. Panzerdivision im Rahmen ihrer Patenschaft mit der Stadt Hannover soll Akzeptanz für den neuen Militarismus schaffen.

»Jagt sie ohne Unterlass, rammt eure Zähne in das Fleisch der Aufständischen und lasst nicht mehr los (...) Findet und eliminiert diejenigen, die die Bevölkerung bedrohen (...) Nehmt das ganze Netzwerk ins Visier« hat der neue Oberbefehlshaber in Afghanistan US-General Petreus den Truppen zugerufen. Die CDU findet, dass seien einfache, klare Worte, die jeder versteht.

»Wir sollen wieder an Krieg gewöhnt werden«, warnte ich auf der Friedenskundgebung vor dem Kongresszentrum: »Das ist nicht erwachsen, sondern dement. Es geht bei diesem Krieg um alles andere als die Befreiung der afghanischen Frauen. Es geht um geostrategische Machtinteressen in Zentralasien. Der Widerstand gegen die Besatzer ist daher in einen allgemeinen Aufstand umgeschlagen. Im Juni und Juli wurden 200 ISAF-Soldaten getötet, mehr als in allen Vergleichszeiträumen zuvor. Die westlichen Truppen haben den Krieg verloren, weil sie Herzen und Köpfe der afghanischen Bevölkerung verloren haben.

Ein ziviler Wiederaufbau hat nicht stattgefunden. Die Besatzer können nicht differenzieren zwischen Taliban und Zivilisten, wie das Massaker von Knuds zeigt. Kandidaten von den Todeslisten der NATO stellen sich im deutschen Hauptquartier in Kabul freiwillig - sie wurden von Nachbarn wegen Grundstückstreitigkeiten denunziert. Auch die Frauen wurden nicht befreit. Frauen, deren Männer getötet oder verstümmelt wurden, landen häufig in den Bordellen am Rande der ISAF Kasernen.« 
 
DIE LINKE fordert die Hannover - Friedenspartnerstadt Hiroshimas - auf, die Patenschaft des Krieges mit der 1. Panzerdivision aufzulösen: Truppen raus aus Afghanistan!     

Von Heidrun Dittrich

linksfraktion.de, 8. August 2010

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