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Wer unterstützt den Islamischen Staat?

Nachricht von Jan van Aken,

Anschläge eines vermeintlichen Anhängers des Islamischen Staats (IS) in Kopenhagen, Massenenthauptungen von mehr als 20 Christen in Libyen oder die Absage des Karnevalsumzugs in Braunschweig wegen akuter Terrorgefahr – egal, wohin der Blick sich wendet, die Bedrohung durch die Terrororganisation IS scheint allgegenwärtig zu sein.

Anne Will versuchte am späten Mittwochabend in der ARD die Frage zu klären: "Barbarei als Strategie – sind wir dem islamistischen Terror hilflos ausgesetzt?"

Zu Beginn der Polit-Talkshow zeigte Will den Film "Das Phantom des IS", der den bisherigen Lebensweg des Anführers der Terrormiliz, Abu Bakr al-Baghdadi, beleuchtet. Georg Mascolo, einer der Autoren, stellte den Film vor. Weitere Gäste waren die Chefredakteurin der Zeitschrift "Internationale Politik", Sylke Tempel, der Historiker Michael Wolffsohn sowie Jan van Aken, außenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion DIE LINKE.

»Brutalst mögliche Terrororganisation«

Die Diskussion drehte sich anfangs um die "Assoziation des Islams mit dem Terror", die von den Extremisten strategisch durchaus gewollt sei. Sylke Tempel forderte eine stärkere theologische und politische Auseinandersetzung der muslimischen Welt mit dem IS-Terror. Letztlich gehe es dabei um die Interpretation des Korans, der vom IS radikal und engstirnig ausgelegt werde.

Gesprächsstoff lieferte auch der gesellschaftliche Rückhalt für den islamischen Staat in Syrien und dem Irak. Jan van Aken berichtete von seinen zahlreichen Reisen in die Kriegsgebiete. Der Islamische Staat ist seiner Erfahrung nach eine der "brutalst möglichen Terrororganisation, die in der Breite der Gesellschaft verankert ist".

Wie der IS zu bekämpfen sei, darüber waren sich die Diskutanten uneinig. Während Tempel und Wolffsohn hauptsächlich militärische Lösungsansätze lieferten und lediglich über die Effektivität von Bodentruppen und Luftschlägen stritten, hielt der ehemalige UN-Waffeninspekteur van Aken mit Forderungen nach diplomatischen Lösungen dagegen. "Militärische Maßnahmen machen den IS nur stärker", sagte van Aken. "Jeder Luftschlag, der daneben geht, und es gehen immer welche daneben (..), wird noch mal Hunderte und Tausende von jungen Leuten dem IS in die Hände treiben. Das heißt, wenn sie alles nur militärisch denken, dann haben sie 13 weitere Kriegsjahre vor sich und am Ende ist der IS zehnmal so stark wie heute.“ Afghanistan habe gezeigt, dass selbst der Einsatz von 150.000 NATO-Soldaten die Ausbreitung der Taliban nicht verhindern konnte, sondern eher verstärkte.

Geldquellen des islamischen Staat versiegen lassen

Für van Aken stellt sich viel eher die Frage: "Was macht  den IS so stark? Wo kommt das Geld her? Warum nutzt Deutschland nicht seine wirtschaftlichen Beziehungen, um auf Katar, das den IS unterstützt, einzuwirken?" Der Ölschmuggel durch die Türkei müsse verhindert, die finanziellen Unterstützungen aus Katar eingestellt werden, nur so könne man die Geldquellen des Islamischen Staats versiegen zu lassen.                       

"Das Schreckliche ist die Notwendigkeit, etwas Besseres zu machen", philosophierte Historiker Wolffsohn gen Ende der Sendung.          

Dass die Situation im Nahen Osten dringend verbessert werden müsse, leuchtete allen ein. Ob nun militärische, diplomatische oder ökonomische Ansätze probate Mittel gegen den IS-Terror sind, blieb strittig.  

Paul Schwenn


linksfraktion.de, 19. Februar 2015