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Weltfußball rollt, Regierung foult

Im Wortlaut von Katrin Kunert,

Von Katrin Kunert, sportpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

Es ist wieder soweit: Die Fähnchen an den Autos und in den Straßen signalisieren die Verbundenheit mit der deutschen Fußballmannschaft in Südafrika, die dort um den Weltmeistertitel kämpfen wird.

Und ich erinnere mich an meinen Start 2005 ins Abgeordnetenleben in Berlin. Ich wollte als aktive Leichtathletin in den Sportausschuss und musste mit großer Konkurrenz „kämpfen“, weil seinerzeit einige männliche Kollegen unbedingt in den Sportausschuss wollten, um an WM- Karten zu gelangen.

Aber die Fußball-WM 2006 in Deutschland hat auch gezeigt, wie sich eine Fankultur positiv entwickelt hat, wie Welt- Fußball eine ganze Nation emotional berühren und bewegen kann. Ich hatte ausgerechnet am Tag des Spiels Deutschland gegen Argentinien eine Besuchergruppe aus meinem Wahlkreis in Berlin, die aus Sportlerinnen und Sportlern bestand. Und als nach Verlängerung und Elfmeterschießen der Sieg verdient an uns ging, standen plötzlich Männer mit Tränen in den Augen vor mir. Menschen unterschiedlicher Nationen, die sich nicht kannten, feierten mit einander und lagen sich in den Armen.

Für die begeisterten Kinder und Jugendlichen gab es nach der WM kein Halten mehr. Viele wollten in einen Fußballverein, wollten so werden wie ihre Idole Ballack oder Lehmann. Dieser Ansturm auf die Sportvereine führte zu vielen Aufnahmestopps. Die Kapazitäten reichten nicht aus, um alle interessierten Kinder aufzunehmen.

Diese aktivierende Wirkung sportlicher Großereignisse gerade für Kinder und Jugendliche dürfen wir nicht unterschätzen. Sport ist gerade in diesem Alter so wichtig. Körperliche Betätigung steigert die Mobilität. Soziale Kompetenzen werden entwickelt. Kinder lernen mit Siegen und Niederlagen umzugehen, sie müssen an sich Regeln halten. Und in Mannschaftssportarten wie dem Fußball geht es nur gemeinsam zum Erfolg. Der DFB hat aus den Gewinnen der WM seinerzeit tausend Bolzplätze bauen lassen, die bis heute rege genutzt werden.

Ebenfalls 2006 fand in Deutschland die Fußball-WM für Menschen mit geistiger Behinderung statt. In meinem Wahlkreis liefen Vorrundenspiele, und die Stimmung in den Stadien stand der „großen“ Weltmeisterschaft in nichts nach. Die Freude am Sport verbindet, und es scheint keine Barrieren zu geben.

Heute schaut alles nach Südafrika. Im Vorfeld dieser WM finden viele Aktivitäten statt. So war ich vor kurzem bei einem Fußball-Grundschulturnier in Havelberg, bei dem 300 Jungen und Mädchen das Fußballabzeichen errungen haben. Mädchenfußballturniere finden statt. Und auf die Frage, wer denn Weltmeister werde, war es für die Kids völlig klar: Deutschland.

Obwohl derzeit die Sparpläne der schwarz-gelben Bundesregierung im Land für Empörung sorgen, lassen sich die Fußballfans nicht davon abhalten, sich auf die WM zu freuen. Und wir sollten ihnen diese Freude lassen. Schließlich wollen wir die Menschen im Land für unsere Politik gewinnen. Zu den Menschen gehören auch Fußballbegeisterte.

Während im Fußball klare Regeln herrschen, scheint es für die Bundesregierung keine zu geben. Sie steuert klar auf eine rote Karte zu. Sie bewegt sich schon im Strafraum, foult die schon am Boden Liegenden und debattiert dann noch mit dem Schiedsrichter. Und scheinbar verabschieden Bundesregierung vorzugsweise immer dann soziale Einschnitte, wenn der Weltfußball rollt. 2006 nämlich wurden z.B. Zuzahlungen bei Arzneimitteln und die Verschlechterung bei unter 25-jährigen ALG II-Beziehenden beschlossen. Auch in diesem Jahr wird die LINKE-Elf dagegen halten.

linksfraktion.de, 11. Juni 2010

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