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Verlierergruppen am Arbeitsmarkt: Migranten, Frauen, Junge

Nachricht von Klaus Ernst,

Auswertung der Antwort auf die Kleine Anfrage „Migration in der Arbeitswelt“ (18/10603)

Seit 2000 hat sich der Lohnabstand zwischen deutschen und ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern deutlich vergrößert. In 2015 verdienten Migranten in Vollzeitbeschäftigung 21,5 Prozent weniger als Deutsche. Im Jahr 2000 waren knapp 23 Prozent der Migranten im Niedriglohnsektor beschäftigt; vergangenes Jahr lag die Quote bereits bei 36 Prozent – und das, obwohl die Gesamtquote aller Niedriglohnbeschäftigten recht stabil ist. Im Jahr 2015 lag sie bei 20 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten, 15 Jahre zuvor waren es 19 Prozent. Migranten werden auch bei gleicher Qualifikation schlechter am Arbeitsmarkt behandelt.

Frauen sind ebenfalls überdurchschnittlich oft von Niedriglohn betroffen. Im vergangenen Jahr blieben 28,4 Prozent unter der Niedriglohnschwelle, bei den Männern waren es 16,1Prozent (Tabelle 13, 14). Frauen mit Migrationshintergrund sind am Arbeitsmarkt besonders benachteiligt.

Extrem schlecht bezahlt sind Junge unter 25 Jahre. In 2015 erhielten 41,3 Prozent einen Lohn unter der Niedriglohnschwelle. Bei den Jungen sind Migranten ganz drastisch schlechter entlohnt. Zwei Drittel erhielten einen Niedriglohn; bei den Deutschen waren es 38,2 Prozent (Tabelle 10, eigene Berechnungen)

Der Niedriglohn ist eine Vergleichsgröße zur Messung der Einkommensverteilung und liegt bei zwei Dritteln des mittleren Einkommens. Im vergangenen Jahr lag er bei 2056 Euro bei einem mittleren Einkommen von 3084 Euro brutto. Gegenüber dem Jahr 2000 ist der Anteil der Niedriglohnempfänger leicht angestiegen, damals waren es 19 Prozent bei einem Niedriglohn von 1581 Euro und einem mittleren Einkommen von 2372 Euro.

Vollzeit auf dem Rückmarsch

Die klassische Vollzeitbeschäftigung nimmt weiter ab. Waren im Jahr 2000 noch 23,3 Millionen Menschen in Deutschland in Vollzeit tätig, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 22,7 Millionen. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten dagegen hat sich im selben Zeitraum beinahe verdoppelt von 4,4 Millionen auf 8,4 Millionen.

Dazu sagt Klaus Ernst, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag:

„Obwohl sich die Lage am Arbeitsmarkt verbessert hat, steigt kontinuierlich die Anzahl von Migranten, Jungen und Frauen, die extrem schlecht bezahlt werden. Sie sind von jeder konjunkturellen Verbesserung abgehängt. Diese soziale Spaltung am Arbeitsmarkt hat sich komplett verfestigt. Dies ist Sprengstoff für die Gesellschaft. Die Bundesregierung hat auf diesem Gebiet komplett versagt. Wir brauchen eine stärkere Regulierung von Arbeit: weniger Leiharbeit und Befristungen und einen höheren Mindestlohn.“

Ergebnisse im Detail

Frauen schlecht bezahlt – Anteil der Männer mit Niedriglohn steigt ebenfalls

Von den weiblichen Vollzeitbeschäftigten erhielten 2000 31,2 Prozent einen Niedriglohn, von den Männern waren es 12 Prozent. Der Anteil der Frauen, die für Niedriglohn arbeiteten, ist bis 2015 leicht gesunken auf 28,4 Prozent, der Anteil der Männer mit Niedriglohn ist dagegen massiv angestiegen auf satte 16,1 Prozent. (Tabelle 13, 14)

22,9 Prozent der Vollzeitbeschäftigten ohne deutsche Staatsbürgerschaft hatten 2000 einen Niedriglohn, 2015 waren es 36,2 Prozent – mit deutscher Staatsbürgerschaft waren es im Jahr 2000 18,7 Prozent, im vergangenen Jahr 18,6 Prozent

Hart traf es die Frauen ohne deutsche Staatsbürgerschaft: 37,2 Prozent im Jahr 2000, 44,2 Prozent im vergangenen Jahr gegenüber Frauen mit deutscher Staatsbürgerschaft 30,9 Prozent im Jahr 2000 und 27,1 Prozent im vergangenen Jahr.

Aber auch junge Leute unter 25 kamen schlecht weg: 2015 erhielten 41,3 Prozent aller unter 25jährigen einen Lohn unter der Niedriglohnschwelle, von den Deutschen waren es 38,2 Prozent, von den Jungen ohne deutsche Staatsbürgerschaft 65,9 Prozent. (Tabelle 10, eigene Berechnungen)

Niedriglohnanteil ausländischer Beschäftigter steigt unverhältnismäßig

Im Mittel verdienten Vollzeitbeschäftigte ohne deutsche Staatsbürgerschaft im vergangenen Jahr 21,5 Prozent weniger als deutsche Vollzeitbeschäftigte (Medianeinkommen Vollzeit, deutsche Staatsbürgerschaft 3141 Euro gegenüber 2467 Euro monatlich brutto) Im Jahr 2000 lag der Median von Vollzeitbeschäftigten mit deutscher Staatsbürgerschaft bei 2388 Euro monatlich, bei den Beschäftigten ohne deutsche Staatsbürgerschaft waren es 2190 Euro und damit 8,3 Prozent unter dem der deutschen Beschäftigten – das mittlere Einkommen der ausländischen Beschäftigten ist in dem Zeitraum um 13 Prozent gestiegen, das der deutschen um 32 Prozent (Frage 2, Tabelle 1). Insgesamt ist der Anteil der ausländischen Vollzeitbeschäftigten in den vergangenen 15 Jahren von 7,2 Prozent (1,5 Millionen) auf 9,4 Prozent (1,9 Millionen) gestiegen (Tabelle 1, eigene Berechnungen)

Den eklatanten Einkommensunterschied kann auch eine vermeintlich schlechtere Qualifizierung ausländischer Beschäftigter nicht erklären, denn durch alle Anforderungsniveaus verdienen Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft signifikant weniger als Deutsche: von den als Helfern tätigen Beschäftigten mit deutscher Staatsbürgerschaft erhalten 43,4 Prozent Niedriglohn, bei den Beschäftigten ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind es 59,9 Prozent. Das Bild setzt sich bei allen anderen Niveaus fort: deutsche Fachkräfte 21,1 Prozent gegenüber Fachkräfte ohne deutschen Pass 33Prozent, Spezialisten 7,8 Prozent gegenüber 11,7 Prozent, Experten 3,4 Prozent gegenüber 5,5 Prozent Niedriglohnempfänger (Tabelle 15).

Zudem werden ausländische Staatsbürger erheblich häufiger unterhalb ihrer Qualifikation eingesetzt: 28 Prozent der ausländischen Akademiker arbeiten als Helfer oder Fachkraft (2015), dem gegenüber 20 Prozent der deutschen Akademiker. 23 Prozent der Ausländer mit anerkanntem Berufsabschluss arbeiten als Helfer, aber nur 9 Prozent der Deutschen mit anerkanntem Berufsabschluss (Fragen 9 und 10).

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