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Umverteilen hilft gegen Spekulationsblasen

Im Wortlaut von Michael Schlecht,

Von Michael Schlecht, Chef-Volkswirt der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag






"Die Börsen-Party geht weiter", so jubelte BILD als der Aktienindex Dax das erste Mal in seiner Geschichte die Marke von 9.000 Punkten übersprang. Nur eine Minderheit der BILD-Leser hat jedoch Grund zum Jubeln. Der Kreis der Aktienbesitzer ist sehr klein und vor allem Reiche können sich über den dramatischen Anstieg ihrer Aktienwerte freuen. Gleichwohl schwingt die Botschaft mit, dass ein Börsenboom auch eine gute Nachricht für alle Menschen in Deutschland sei. Ist diese Euphorie sachlich begründet? Oder handelt es sich eher um einen fiebrigen Höhenrausch, der in einem baldigen Absturz endet?

Noch im September 2011 war der Dax aufgrund der Eurokrise unter 5.200 Punkte gefallen. Danach schoss der Sammelindex der 30 wichtigsten Aktiengesellschaften in nur zwei Jahren um 75 Prozent in die Höhe. Die Unternehmensgewinne je Aktie der Dax-Konzerne stiegen in diesem Zeitraum mit "nur" fünf Prozent nicht annähernd so stark.

Aktienkurse stehen auf tönernen Füßen

Was sagt uns das über die aktuelle Aktieneuphorie? Sie dürfte auf tönernen Füßen stehen. Die Gewinne müssten in der nächsten Zeit massiv anziehen, um die Aktienkurse zu rechtfertigen. Dafür gibt es aber keine Anzeichen. Im Gegenteil. Die anhaltende Rezession in den südeuropäischen Krisenländern und die Stagnation in der gesamten Eurozone machen das Umfeld für deutsche Konzerne zunehmend schwieriger.

Die steigenden Aktienkurse sind mal wieder Resultat der Zockerei. Jeder Investor hofft, dass andere auch immer mehr Aktien kaufen und so der Preis nach oben getrieben wird. Und jeder Aktienzocker geht davon aus, den richtige Zeitpunkt zum Ausstieg vor dem Crash zu erwischen.

Billiges Geld der Zentralbanken fließt kaum in die Realwirtschaft

Die gegenwärtige Zockerei wird dabei massiv angetrieben, weil Unmengen an Geld auf den Kapitalmärkten zirkulieren und nach profitabler Anlage suchen. In den letzten zehn Jahren sind allein in Deutschland mehr als eine Billion Euro an Reiche und Vermögende aufgrund zu niedriger Löhne und Steuergeschenke umverteilt worden. Investitionen in die Realwirtschaft werden nur sehr zurückhaltend getätigt. Die Wirtschaftslage erscheint den Herrschaften zu unsicher. Zockerei an den Börsen ist profitabler. Es kommt hinzu, dass die Zinsen für Kreditvergabe durch die Zentralbanken, vor allem der amerikanischen FED, aber auch der EZB, massiv nach unten gedrückt werden.

Alleine die FED "druckt" Geld und kauft monatlich für 85 Milliarden US-Dollar amerikanische Staatsanleihen. Diese gigantischen Summen sollen eigentlich über Kredite an Unternehmen gehen, die dort investieren und Arbeitsplätze schaffen. Doch ein großer Teil des Geldes fließt in die Finanzmärkte – auch zum Teil über den großen Teich an die europäischen Börsen. Damit auch nach Deutschland. Auch die EZB befeuert diese Liquiditätsschwemme zusätzlich.

Umverteilen als Mittel gegen Finanzblasen

Haben wir es also an der Börse bereits mit einer handfesten Spekulationsblase zu tun? Vieles spricht dafür. Der Aktienboom ist auch eine Wette darauf, dass die FED und auch die EZB auf absehbare Zeit nicht aus ihrer Politik der Geldschwemme aussteigen kann. Wenn sich ein Ende irgendwann abzeichnet, werden die Börsenkurse einbrechen, möglicherweise in einem scharfen Crash. Die Folgen einer neuen Finanzkrise werden erneut viele Menschen durch Verlust ihres Arbeitsplatze bezahlen, obgleich sie nie eine Aktie besessen haben, geschweige denn jemals von einem Aktienboom profitiert haben.

Die beste Waffe gegen neue Blasen an den Finanzmärkten ist eine "Umfairteilung" von Einkommen und Vermögen, so wie es von DIE LINKE in ihrem Steuerkonzept gefordert wird. Und vor allem auch durch höhere Löhne. Damit kann die Massenkaufkraft gestärkt und ein nachhaltiges Wachstum ohne exzessive Kredit- und Geldmengenexpansion erreicht werden.

linksfraktion.de, 1. November 2013

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