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Sechs Fragen an Yvonne Ploetz

Im Wortlaut von Yvonne Ploetz,

36 der 76 Abgeordneten, die DIE LINKE im 17. Bundestag stellt, sind neu gewählte Mitglieder des Parlaments. Welche Erwartungen haben sie? Was haben sie vor? linksfraktion.de fragt nach.


Yvonne Ploetz, 25, Studentin der Politikwissenschaft, Kunstgeschichte und Soziologie aus dem Saarland

Wie war die erste Woche in Berlin?

Ich habe die erste Woche mit großer Spannung und Nervosität, aber auch enormer Vorfreude erwartet. Als Nachrückerin zu einer bestehenden Fraktion zu stoßen, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Was erwartet mich? Wie werde ich aufgenommen? Kann ich mich in die laufende Arbeit einbringen? Fragen über Fragen haben mich auf dem Weg nach Berlin begleitet. Und dann war es so weit, und ich wurde von allen Seiten ganz herzlich begrüßt. Die Unterstützung, Hilfsbereitschaft, Offenheit, Menschlichkeit, aber auch der Kampfgeist, Enthusiasmus und die Leidenschaft, die die Fraktion umgeben, ließ mich schnell wissen: Hier bin ich absolut richtig.

Sie sind jetzt Volksvertreterin. Wie wollen Sie die Interessen der Menschen vertreten?

Ich möchte auch im Bundestag konsequent linke Politik machen - sozialistisch, antifaschistisch, feministisch, selbstbestimmt und basisdemokratisch. Insbesondere will ich den Blickwinkel junger Menschen in die politische Debatte einfließen lassen. Ich möchte für all die ein Sprachrohr sein, die für die gleichen Ziele streiten. Für Jugendliche, die sich gegen das absolut ungerechte Bildungssystem wehren. Für Studierende, die nicht innerhalb kürzester Zeit auf den Arbeitsmarkt geschleudert werden wollen. Für junge Menschen, die gegen prekäre Arbeitsverhältnisse kämpfen. Für junge Frauen, die auf dem Arbeitsmarkt immer noch eklatant benachteiligt werden.

Wie wollen Sie konkret den Widerstand gegen Sozialabbau und Krieg stärken?

Im Kampf um eine gerechte Welt, gegen Krieg und Sozialabbau müssen wir zum einen die Bühne des Bundestags nutzen, um immer wieder auf unseren Positionen zu beharren und diese der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aber das ist nicht der zentrale Ort für Veränderungen. Um gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken, müssen wir auf die Straße - ständig im Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern sein, die sozialen Bewegungen stärken. Ich möchte erreichen, dass bisher politisch zurückhaltende Menschen erkennen, dass auch sie wichtig sind und dass man sich bewegen muss, damit sich etwas bewegt. Ich möchte Mut zum Widerstand machen. Wir müssen ständig den Druck auf die anderen Parteien und die Regierung erhöhen - parlamentarisch und außerparlamentarisch.

Welche persönlichen Erfahrungen können Ihnen den Start als Parlamentarierin erleichtern?

Obwohl ich im Bundestag zu den Jüngsten gehöre, arbeite ich schon seit vielen Jahren an der Schnittstelle zwischen Politik und Wissenschaft. Parteipolitisch tätig bin ich seit mehr als zehn Jahren. Im Landesverband der LINKE im Saarland konnte ich seit 2005 aktiv meine Ideen und Vorstellungen auf allen Ebenen einbringen. Als Vorsitzende des Ortsverbandes Blieskastel kenne ich die Probleme und Hoffnungen der Menschen vor Ort. Gleichzeitig studiere ich Politikwissenschaft, Kunstgeschichte und Soziologie. Und während den vergangenen neun Semestern konnte ich mit eine theoretische und methodische Basis aneignen, die mir in meiner bisherigen Arbeit sehr genutzt hat und nun auch meine Aktivitäten im Bundestag bereichern wird.

Was würden Sie in ihrer ersten Bundestagsrede der Kanzlerin gern einmal sagen?

Wenn unter meiner Regierung in einer der reichsten Gesellschaften der Erde jedes sechste Kind in Armut Leben würde, die Einkommensschere immer weiter auseinanderginge, der Niedriglohnsektor stärker gewachsen wäre wie in keinem anderen Land, die größte Wirtschafts- und Finanzkrise seit Bestehen der Bundesrepublik zu keinerlei Regulierungen des Finanzmarktes geführt hätte, Millionen Menschen in Existenzangst leben würden, der Zugang zur Bildung immer noch höchst ungerecht wäre und Deutschland an Kriegen beteiligt wäre, würde ich meinen Hut nehmen und gehen.

Wie wollen Sie sich davor schützen, im Raumschiff Bundestag die Bodenhaftung zu verlieren?

Ich bleibe einfach, wie ich bin. Lebe mein Leben weiter, mit all dem, was mir wichtig ist. Mit allen Ecken und Kanten. Und dabei helfen mir sicherlich meine Freunde, meine Familie, meine Arbeit vor Ort im Saarland. Die Bodenhaftung zu verlieren, ist sicherlich auch dadurch kaum möglich, dass ich mein Studium noch abschließen muss und so mit einem Bein auch im Leben außerhalb des Raumschiffs Bundestag stehe.