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Sechs Fragen an Sahra Wagenknecht

Im Wortlaut,

35 der 76 Abgeordneten, die DIE LINKE im 17. Bundestag stellt, sind neu gewählte Mitglieder des Parlaments. Welche Erwartungen haben sie? Was haben sie vor? linksfraktion.de fragt nach.


Sahra Wagenknecht, 40, Publizistin aus Nordrhein-Westfalen

Sie sind jetzt Volksvertreterin. Wie wollen Sie die Interessen der Menschen vertreten?

In den nächsten Jahren werden die Verteilungskämpfe sehr heftig werden. Ich werde innerhalb wie außerhalb des Parlaments dafür streiten, dass die Kosten der Krise nicht auf Mittel- und Geringverdiener abgewälzt, sondern die Profiteure des Finanzkasinos zur Kasse gebeten werden. Außerdem muss es jetzt darum gehen, Alternativen zur herrschenden Politik aufzuzeigen. Wachsende Armut, Kriege, die drohende Klimakatastrophe: All diese Probleme sind eng mit einer Wirtschaftsordnung verbunden, die auf Konkurrenz und Profitmaximierung basiert. Gemeinsam mit anderen möchte ich daher Strategien entwickeln, den Kapitalismus zu überwinden.

Wie wollen Sie konkret den Widerstand gegen Sozialabbau und Krieg stärken?

Vor allem, indem ich Menschen ermutige, sich zu wehren. Ich mache mich für diejenigen stark, die besonders unter Sozialabbau leiden und kaum eine eigene Lobby haben. Wir brauchen dringend mehr außerparlamentarischen Widerstand in diesem Land: nicht zuletzt in Form politischer Streiks. Andere europäische Länder zeigen, dass dies ein wirksames Kampfmittel ist, um Sozialkahlschlag abzuwehren und Verbesserungen im Interesse der Beschäftigten, der Arbeitslosen und Rentnerinnen und Rentner durchzusetzen.

Welche persönlichen Erfahrungen können Ihnen den Start als Parlamentarierin erleichtern?

In den letzten fünf Jahren habe ich als Abgeordnete im Europäischen Parlament viele Erfahrungen sammeln können, die mir den Einstieg in die parlamentarische Arbeit in Berlin erleichtern werden. Es ist davon auszugehen, dass DIE LINKE im Bundestag sehr starkem Druck der Medien und der Öffentlichkeit ausgesetzt sein wird. Hier hilft es mir sicherlich, dass ich daran bereits gewöhnt bin. Am wertvollsten für meine zukünftige Arbeit als Bundestagsabgeordnete sind jedoch die unzähligen Gespräche gewesen, die ich in den vergangenen Wahlkämpfen führen konnte. Dabei habe ich sehr viel über die konkreten Probleme und Hoffnungen der Menschen erfahren.

Was würden Sie in ihrer ersten Bundestagrede der Kanzlerin gern einmal sagen?

Die Kanzlerin ist nicht die wichtigste Adressatin meiner Reden, sondern die Menschen im Land. Ihnen möchte ich deutlich machen, dass es zu diesem entfesselten Kapitalismus Alternativen gibt. Und dass sie nicht so ohnmächtig sind, wie man ihnen immer wieder einredet.

Wie wollen Sie sich davor schützen, im Raumschiff Bundestag die Bodenhaftung zu verlieren?

DIE LINKE wird im Bundestag nur erfolgreich sein, wenn sie eng mit außerparlamentarischen Bewegungen zusammenarbeitet. Der enge Kontakt zu Menschen und Organisationen außerhalb des Parlaments schützt auch davor, die eigene Bodenhaftung zu verlieren. Ich werde zudem viel in meinem Wahlkreis sein und bin sicher, dass ich schon dadurch davor gefeit sein werde, mich von den Sorgen und Nöten anderer Menschen zu entfernen. Schließlich habe ich Familie und Freunde, die mich daran erinnern, dass es auch ein Leben außerhalb des „Raumschiffs Bundestag“ gibt und die es mir ganz sicher nicht durchgehen lassen werden, abzuheben.

Alle Abgeordneten der LINKEN spenden bisher Ihre Diätenerhöhung. Wofür wollen Sie sich persönlich besonders engagieren?

Wie bisher werde ich vor allem antifaschistische Arbeit und Friedensinitiativen, die Lateinamerikasolidarität (Kuba, Venezuela, Bolivien u.a.) sowie Initiativen gegen Privatisierung unterstützen.

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