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Sechs Fragen an Kathrin Senger-Schäfer

Im Wortlaut von Kathrin Senger-Schäfer,

35 der 76 Abgeordneten, die DIE LINKE im 17. Bundestag stellt, sind neu gewählte Mitglieder des Parlaments. Welche Erwartungen haben sie? Was haben sie vor? linksfraktion.de fragt nach.


Kathrin Senger-Schäfer, 47, Politologin und Germanistin aus Rheinland-Pfalz

Sie sind jetzt Volksvertreterin. Wie wollen Sie die Interessen der Menschen vertreten?

Die schwarz-gelbe Koalition zeigt uns bereits jetzt schon, in welche Richtung in den nächsten vier Jahren die Reise geht. Der Afghanistankrieg wird weitergeführt, es droht weiterer Sozialabbau und die Gewinner der Krise werden nicht zur Kasse gebeten. Dem werde ich mich entschieden entgegenstellen und denjenigen Menschen eine Stimme geben, die unter den Regierungen Schröder und Merkel ins Abseits gestellt wurden und auch in der neuen Koalition keine Lobby haben. Die Gesundheitspolitik wird eines der zentralen Themen in der kommenden Legislaturperiode sein. Die vielfältigen Wahlversprechen an Ärzte, Versicherungen und Pharmaindustrie lassen eine Kostenkontrolle durch die neue Regierung nicht zu. Die Zeche zahlen am Ende die Patienten. Ich stehe ebenfalls für eine konsequente Friedenspolitik und den Ausstieg aus der Atomenergie.

Wie wollen Sie konkret den Widerstand gegen Sozialabbau und Krieg stärken?

In meinem Wahlkreis stehe ich für Widerstand gegen Sozialabbau und Krieg und für den Schutz unserer Umwelt. Ich suche den direkten Kontakt zu den Menschen, außerparlamentarischen Organisationen wie Gewerkschaften oder Sozialverbänden. Im Bundestag stimme ich keinen Vorlagen zu, die meinem Selbstverständnis als LINKE widersprechen.

Welche persönlichen Erfahrungen können Ihnen den Start als Parlamentarierin erleichtern?

Meine Erfahrungen als Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz und mein Engagement im Kreisvorstand von Ludwigshafen werden künftig auch in Berlin helfen. Ich bin mir darüber im Klaren, dass gerade in dieser Legislaturperiode DIE LINKE starkem Druck ausgesetzt sein wird. Wir dürfen aber trotzdem die Hoffnung auf eine gerechtere Politik, die unsere Wählerinnen und Wähler mit der Wahl der LINKEN in den Bundestag verbinden, auf keinen Fall enttäuschen.

Was würden Sie in ihrer ersten Bundestagrede der Kanzlerin gern einmal sagen?

Dass eine Partei, die ein C für christlich in ihrem Parteinamen trägt, auch diesen Prinzipien gerecht werden muss. Dazu gehört vor allem, dass starke Schultern mehr tragen müssen als schwache und dass Krieg kein Mittel zur Umsetzung von »Friedenspolitik« ist.

Wie wollen Sie sich davor schützen, im Raumschiff Bundestag die Bodenhaftung zu verlieren?

Durch fortgesetztes persönliches Engagement in den verschiedensten Basisgruppen meines Wahlkreises und die Pflege intensiver Kontakte zu meiner persönlichen Umgebung, besonders durch die Unterstützung meiner Familie und meiner Freunde.

Alle Abgeordneten der LINKEN spenden bisher Ihre Diätenerhöhung. Wofür wollen Sie sich persönlich besonders engagieren?

Ich würde mich gern für junge Mädchen einsetzen, die unter Essstörungen leiden. Ich habe in unmittelbarer Umgebung ein solches Projekt in Heidelberg, das kurz vor dem Aus steht, weil keine Fördergelder mehr zur Verfügung stehen. Ich bitte auf diesem Weg auch alle, die das Scheitern dieses Projektes verhindern wollen, mich in meinem Engagement zu Gunsten des Mädchenheims in Heidelberg zu unterstützen. Das Problem „Essstörungen“ gehört zu jenen, die in unserer Gesellschaft oft totgeschwiegen werden.

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