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Sechs Fragen an Ingrid Remmers

Im Wortlaut von Ingrid Remmers,

35 der 76 Abgeordneten, die DIE LINKE im 17. Bundestag stellt, sind neu gewählte Mitglieder des Parlaments. Welche Erwartungen haben sie? Was haben sie vor? linksfraktion.de fragt nach.


Ingrid Remmers, 44, Diplom-Sozialwissenschaftlerin aus Nordrhein-Westfalen

Sie sind jetzt Volksvertreterin. Wie wollen Sie die Interessen der Menschen vertreten?

Neben parlamentarischer Vertretung der Interessen der breiten Mehrheit will ich die Menschen vor allem darin unterstützen, die demokratischen Instrumente zu nutzen und ihre Anliegen selbst und direkt einzufordern. Als künftiges Mitglied im Petitionsausschuss betrachte ich mich als Anwältin der Petenten und ihrer Forderungen im Bundestag. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen berechtigtes Vertrauen darin finden, ihre Lebenswelt und Ihre Bedingungen konkret gestalten und verändern zu können. Deshalb werde ich dafür kämpfen, dass Formen direkter Demokratie und Mitbestimmung gestärkt und erweitert werden. Eine Gesellschaft sollte von den Menschen gestaltet werden, die in ihr leben.

Wie wollen Sie konkret den Widerstand gegen Sozialabbau und Krieg stärken?

Widerstand auf der parlamentarischen Ebene allein reicht nicht. Deshalb ist es wichtig, dass sich DIE LINKE mit dem außerparlamentarischen Widerstand solidarisiert und verbündet. Die enge Zusammenarbeit zwischen parlamentarischer Vertretung, die auch eine breite Öffentlichkeit herstellen kann, und der gemeinsame außerparlamentarische Protest auf der Strasse müssen noch mehr Menschen Mut machen, sich zu wehren. Erweiterte demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten und niedrigere Hürden, sich aktiv einzubringen, sind dafür unabdingbar.

Welche persönlichen Erfahrungen können Ihnen den Start als Parlamentarierin erleichtern?

Beruflich habe ich bereits viel Erfahrung darin, die Interessen langzeitarbeitsloser Menschen, junger Erwachsener ohne Schulabschluss, MigrantInnen und Frauen zu vertreten. Auch hier verlangten bürokratische Hürden, mangelndes Verständnis und fehlender Fantasie von SachbearbeiterInnen, sowie die völlig verfehlte Sozialpolitik viel Ruhe und Geduld und einen kühlen Kopf. Gleiches galt für meine persönliche Lebenssituation als alleinerziehende Mutter auf dem Zweiten Bildungsweg. Ich fühle mich also gut gerüstet.

Was würden sie in Ihrer ersten Bundestagsrede der Kanzlerin gern einmal sagen?

Ich würde Frau Merkel gern dorthin einladen, wo sich die Auswirkungen ihrer ungerechten Sozialpolitik, schlechten Arbeitsmarktpolitik und ihrer schlechten Bildungspolitik am deutlichsten zeigen: in die Familien, die von ALG II leben müssen, zu den überforderten SachbearbeiterInnen in den ARGEn, in die Berliner Rütli-Schule. Ausschließlich Positiv-Beispiele vor Ort zu besuchen, wie Frau Merkel dies tut, ist realitätsfremd.

Wie wollen Sie sich davor schützen, im Raumschiff Bundestag die Bodenhaftung nicht zu verlieren?

Ich bin mir dieser latenten Gefahr sehr bewusst. Dies zu vermeiden, dabei werden mir ehrliche Freunde in und außerhalb der Partei und vor allem eine gute Arbeit vor Ort mit Betroffenen hoffentlich helfen.

Alle Abgeordneten der LINKEN spenden bisher ihre Diätenerhöhung. Wofür wollen Sie sich persönlich besonders engagieren?

Das ist eine wirklich schwierige Frage und ich habe mich noch nicht endgültig entschieden. Ich denke, ich werde mit der Diätenerhöhung ein nahegelegenes Frauenhaus und die Flüchtlingshilfe unterstützen. Aber fast täglich finden sich mehr Ideen.

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