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Sechs Fragen an Ilja Seifert

Im Wortlaut von Ilja Seifert,

41 der 76 Abgeordneten, die DIE LINKE im 17. Bundestag stellt, üben ihr Mandat bereits seit 2005 oder länger aus. Woran können sie anknüpfen? Wie wollen sie ihre Arbeit fortsetzen? Was wollen sie anders machen? linksfraktion.de fragt nach.


Ilja Seifert, 58, promovierter Germanist aus Sachsen

Welche Erfahrung, welches Ergebnis oder Ereignis hat Sie in den zurückliegenden vier Jahren besonders darin bestärkt, dass sich ihre Arbeit lohnt?

Kurz vor der Bundestagswahl veröffentlichten die organisierten Contergan-Opfer einen eindeutigen Wahlaufruf zugunsten der LINKEN. Damit hatte ich nicht gerechnet. Das zeigt aber, dass kontinuierliche Arbeit - auch gegen den Mainstream - nicht nur als reale Hilfe im Alltag ankommt, sondern gelegentlich auch offene Anerkennung findet.

Neue Wahlperiode, alte Kanzlerin: Mit welchen Erwartungen gehen Sie als Abgeordneter in die kommenden vier Jahre?

Jede neoliberale Regierung braucht konsequente linke Opposition. Diese vermutlich besonders intensiv. Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass Frauen und Männer, Kinder und alte Menschen mit und ohne Behinderungen von dieser Regierung nicht nur nicht geschädigt werden, sondern dass sich ihre Lebenssituation verbessert. Es geht um Teilhabeermöglichung und Persönlichkeitsentfaltung auch dann, wenn die persönlichen Lebensumstände schwierig sind - zum Beispiel mit Behinderung und/oder Assistenzbedarf.

Was wollen Sie im Bundestag anders oder besser machen als bisher?

Ich will mich stärker auf die mir zugewiesenen Aufgabengebiete und Sprecherfunktionen konzentrieren.

DIE LINKE ist jetzt mit 76 Abgeordneten im Bundestag vertreten - 23 mehr als bislang. Was wird sich in der neuen Fraktion und für Sie als eines ihrer Mitglieder verändern?

Das wird sich zeigen. Ich hoffe, dass wir insgesamt mehr Schlagkraft entwickeln. Und ich hoffe, neben neuen Fraktionskolleginnen und -kollegen auch neue Freundinnen und Freunde zu gewinnen.

Warum ist Opposition nicht Mist?

In der Opposition muss ich mir und der Öffentlichkeit nichts schönreden. Ich kann, soll und muss die Wahrheit sagen. Ich kann, soll und muss die Regierenden mit den Auswirkungen ihres Handelns im realen Leben der „einfachen Menschen“ konfrontieren. Ich kann, soll und muss neue Konzepte entwickeln. Dabei kann, soll und muss ich den Sachverstand und das Engagement außerparlamentarischer Bewegungen, Gruppen und Selbsthilfeorganisationen einbeziehen.

Wie können Sie als Abgeordneter dazu beitragen, dass die Bürgerinnen und Bürger selbst noch mehr für ihre Interessen streiten?

Ich kann ihren Anliegen im Parlament Gehör verschaffen. So erkennen sie, ob und von wem - und gegebenenfalls wie - ihre Vorschläge, Konzepte, Anregungen oder Forderungen aufgegriffen, verworfen, weiterentwickelt oder verfälscht werden. Ich kann ihnen zeigen, dass politisches Engagement Wirkung zeigt - wenn auch gelegentlich „nur“ indirekt.

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