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Foto: istock.com/holgs
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ÖPNV – gut für alle! Gemeinsam für bessere Arbeit und mehr Geld

Im Wortlaut von Sabine Leidig,

Auch in der Zeit des Corona-Lock-Down waren die Öffis am Start – unter erschwerten Bedingungen und ausgedünnten Fahrplänen. Bus- und Bahnfahrer*innen haben zusammen mit ihren Kolleg*innen im Reinigungsdienst und in Betriebshöfen dafür gesorgt, dass niemand auf der Strecke bleibt. Sie haben mitgeholfen, das Schlimmste zu verhindern. Mobilität für alle ist versorgungsrelevant, für die Beschäftigten der Krankenhäuser oder im Handel und alle anderen, die auf den ÖPNV angewiesen sind. Normalerweise sind täglich 24 Millionen Menschen damit unterwegs.

Inzwischen fahren ÖPNV und Bahn wieder wie zuvor – aber es ist längst nicht alles gut. Das war es schon vorher nicht. Die Zahl der Fahrgäste und die gefahrenen Kilometer sind zwar um rund 20 Prozent gestiegen seit dem Jahr 2000, aber im selben Zeitraum ist die Zahl der Beschäftigten um 20 Prozent gesunken. Seit der Öffentliche Verkehr zum (Ausschreibungs-)Wettbewerb getrimmt worden ist, wurde beim Personal gespart, „bis es quietscht“. Vor allem das Leben der Busfahrer*innen ist stressig geworden: pöbelnde Fahrgäste, zahlreiche Überstunden und kaum freie Wochenenden belasten die Männer und Frauen am Steuer.

„Auch wenn wir noch so besonnen fahren, es ist ein Kampf auf der Straße“, erzählt ein Busfahrer, der seit 13 Jahren in Düsseldorf fährt. Auch wenn Unfälle die Ausnahme bleiben – der Stress im Verkehr nimmt zu. Staus, genervte Autofahrer, Baustellen. Nach acht bis neun Stunden im Dienst sei man fix und alle. Hunderte Fahrgäste befördert er jeden Tag, die Verantwortung ist enorm: „Aber in den Köpfen der Menschen gelten wir als Hilfsarbeiter mit Führerschein.“ Das Ansehen eines Berufes hängt eben auch mit der Bezahlung zusammen, ob es nun um Busfahrer, Krankenschwestern oder Altenpfleger geht. „Wir haben da überall hohe Nachfrage, und trotzdem gehen die Löhne nicht nach oben", sagt er. „Da ist doch was faul in der Gesellschaft.“ Die Busfahrer*innen leiden zudem unter verkürzten Pausen, geteilten Schichten, zu eng getakteten Fahrplänen. Der Unmut etwa von Pendlern über Verspätungen zerrt zusätzlich an den Nerven. Kein Wunder, dass so der Nachwuchs ausbleibt.

Schon heute herrscht Personalmangel. Bundesweit fehlen Tausende Busfahrer*innen. Die Krankenstände sind hoch und Fahrten müssen ausfallen, was dann zu noch mehr Ärger führt. Bis 2030 geht die Hälfte (!) der ÖPNV-Beschäftigten in den Ruhestand. Zum  Ausgleich werden 100.000 Mitarbeiter*innen gebraucht … und das reicht nicht. Damit die sozial-ökologische Verkehrswende vorankommt, sind noch zusätzlich 60.000 Menschen nötig, die Busse und Bahnen sicher fahren und in Stand halten. Auch deshalb müssen die Arbeitsbedingungen deutlich besser werden. Dazu bereitet die zuständige Gewerkschaft ver.di gerade eine Tarifrunde vor (#tvn2020). Im August und September sind Verhandlungen geplant, Streiks und Aktionen wahrscheinlich.

Und weil es dabei auch um umweltschonende Mobilität geht, um Klimagerechtigkeit, um den notwendigen sozial-ökologischen Umbau unserer Gesellschaft, haben sich „Fridays for Future“ und andere schon als Unterstützer*innen geoutet. Selbstverständlich ist auch DIE LINKE dabei – und die Fraktion DIE LINKE. im Bundestag.
Uns geht es vor allem darum, dass sehr viel mehr Geld aus dem Bundeshaushalt für die Öffis umverteilt wird – und zwar schnell! Die Nahverkehrsunternehmen hatten in den ersten Wochen der Corona-Krise große Ticket-Einnahmeausfälle: 5 bis 7 Milliarden Euro insgesamt. Bisher hat der Bund nur 2,5 Milliarden Extrazuschuss an die Länder beschlossen, aber das ist viel zu wenig. Die zehnfache Summe wäre notwendig, damit der ÖPNV mitsamt den Beschäftigten gut ausgestattet und das Angebot bis zum Jahr 2030 verdoppelt werden kann. Höchste Zeit, endlich die umweltschädlichen Verkehrssubventionen abzuschaffen, die sich jedes Jahr auf über 20 Milliarden Euro belaufen. Und höchste Zeit, die verkehrten Investitionen in neue Autobahnen zu stoppen. Das Geld wird für Bahnausbau und gute Öffis für alle gebraucht.

Klar ist, dass wir uns im Parlament stark machen. Aber wir werden nichts durchsetzen, wenn es nicht spürbare (Streik-)Bewegung und Druck von der Straße gibt. Deshalb helft mit, dass die ÖPNV-Kampagne überall im Land breite Unterstützung findet!