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Foto: DBT/Inga Haar
Foto: DBT/Inga Haar

Obszöner Reichtum wächst - Armut auch

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Seit der Wiedervereinigung ist die deutsche Wirtschaftsleistung um mehr als 20 Prozent gestiegen. Gutverdiener haben davon kräftig profitiert. Das reale verfügbare Einkommen der ärmsten 40 Prozent in Deutschland ist hingegen sogar zurückgegangen. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Demnach hatte sich die Einkommensschere in Deutschland in den Jahren 1991 bis 2005 geöffnet, verharrte bis 2013 auf diesem Niveau, und seit 2014 nimmt die Ungleichheit wieder zu.

In Deutschland sind laut DIW 12,7 Millionen Menschen von Armut bedroht. Das sind knapp 16 Prozent der Bevölkerung. Mehr Armut findet sich auch bei Rentnern, insbesondere in Ostdeutschland. Allein zwischen 2002 und 2014 wuchs das Armutsrisiko der Altersgruppe 65 bis 75 Jahre dort von sieben auf 15 Prozent. Am stärksten gestiegen ist das Armutsrisiko für die Gruppe der 25- bis unter 35-Jährigen – seit 1991 von knapp zwölf auf fast 21 Prozent.

“Arbeit schützt also nicht vor Armut. Obszöner Reichtum wächst - die Armut auch. Schluss damit! Armut ist keine Randerscheinung, sondern hat sich wie ein Geschwür in unsere Gesellschaft gefressen. Ohne die Wiederherstellung des Sozialstaates und ohne eine radikale Umverteilung von oben nach unten lässt sich Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland nicht herstellen”, kommentiert Dietmar Bartsch die Entwicklung. Und weiter:

“Hierfür muss der Mindestlohn zügig auf 12 Euro angehoben werden. Hartz IV muss abgeschafft und eine sanktionsfreie Mindestsicherung von 1.050 Euro eingeführt werden. Auf Vermögen oberhalb von 1 Millionen Euro wird eine Steuer von 5 Prozent erhoben. Einkommen bis 12.600 Euro pro Jahr bleiben steuerfrei. Das sind einige von vielen notwendigen Maßnahmen. Der Kreislauf aus Kinderarmut, Erwerbsarmut und Altersarmut lässt sich nicht mit ein paar Stellschrauben, sondern nur in einem kollektiven Kraftakt einer neuen Bundesregierung durchbrechen.”