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Mit Philipp Rösler im Doppelzimmer

Nachricht von Gregor Gysi,

Zweiter Tag der Gysi-Sommertour durch Mecklenburg-Vorpommern


Möwe-Inhaber Wolfgang Sengewisch führt Gregor Gysi, Heidrun Bluhm und Dietmar Bartsch gerade durch Deutschlands nördlichste Nudelfabrik.

 

Der Nudeläquator in Deutschland verläuft auf Höhe Berlin und Hannover. Wolfgang Sengewisch, Inhaber der Möwe-Teigwarenwerke in Waren, führte Gregor Gysi, Heidrun Bluhm und Dietmar Bartsch am Dienstag durch Deutschlands nördlichste Nudelfabrik - oberhalb des Nudeläquators. Während im Süden Deutschlands Teigwaren weitaus häufiger auf dem Esstisch stehen, hat Mecklenburg-Vorpommern mit durchschnittlich 1,5 Kilogramm im Jahr einen geringen Prokopfverzehr. Davon könnten die Nudelproduzenten in Waren nicht existieren.

Die Traditionsmarke Möwe feierte im vergangenen Jahr ihr 60. Jubiläum. Die Achterbahnfahrt nach 1989 durch Privatisierung und mehrere Eigentümerwechsel hat Möwe bisher überstanden. 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter produzieren heute täglich 650 000 Portionen Eierteigwaren. Wolfgang Sengewisch kehrte nach 1990 aus Eisenach in seine Geburtsstadt Waren zurück, fand Arbeit bei Möwe. Als die damaligen holländischen Eigentümer das Werk abstoßen wollten und das endgültige Aus drohte, kaufte er zusammen mit drei Kollegen den Laden. Ja, er könne trotz der täglich neuen Herausforderungen und seiner Verantwortung als Unternehmer ruhig schlafen, meinte der 68-Jährige. Seine Frau musste sich am Anfang allerdings erst an die Belastung durch den Millionenkredit gewöhnen.

Der Vertrieb des breiten Nudelsortiments ist derzeit gesichert. 80 Prozent werden über Einzelhandelsketten verkauft. Trotzdem musste Unternehmer Sengewisch auch unerfreuliche Entscheidungen treffen, Bereiche stilllegen und Personal abbauen. Meldungen über eine drohende Werksschließung vor zwei Jahren führten trotz der vergleichsweise geringen Beschäftigtenzahl für Aufregung in der Region, weil Zulieferer um Aufträge bangten.

Der Rundgang im Hygieneanzug und mit Kopfhaube durch tropisch warme Produktionshallen endete in der quotierten zweiköpfigen Reklamationsabteilung. Die Kollegin und der Kollege dort hatten einige amüsante Episödchen zu berichten, wie Fans der Warener Nudeln immer wieder einmal versuchen, Gratissendungen nach Beanstandungen über vermeintlich schlechte Ware zu erhalten.

Am frühen Nachmittag hielt Gregor Gysi im gut gefüllten Stadthafen eine Rede. Er wolle Antworten auf die Frage geben, warum DIE LINKE im Bundestag gebraucht wird. Gemessen an Andrang und Applaus schien die Botschaft angekommen zu sein. Für Erheiterung sorgte Gysi, als er sagte, er wollen ein Gesundheitssystem, in dem jeder und jedem ein Einzelzimmer zustünde. Sollte ein Arzt auf die Idee kommen, Philipp Rösler und ihn gemeinsam in ein Zimmer zu legen, hätte er starke Bedenken, dass Rösler dabei genesen würde.

Im völlig überfüllten Schauspielhaus in Neubrandenburg stellte sich Gregor Gysi zum Abschluss des Tages beim Speed Dating den Fragen seiner Gegenüber. Nicht alle Fragen konnte er sofort beantworten, schrieb daher fleißig mit und versprach, sich im Anschluss seiner Tour zu melden.

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