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Kundus-Ausstellung und Friedensfest in Strausberg

Im Wortlaut von Dagmar Enkelmann,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.

Besucher der Kundus-Ausstellung im Wahlkreisbüro von Dagmar Enkelmann in Strausberg

Eine einmalige Friedens-Vernissage erlebte ich am Dienstagabend im »LinksTreff am Tor«, meinem Wahlkreisbüro in Strausberg. Auf der einen Seite des Raumes ist die Kundus-Ausstellung der Fraktion DIE LINKE zu sehen, auf der anderen die 20-jährige Geschichte des Strausberger Friedenfestes. Insgesamt 17 Tafeln bringen zwei Ereignisse zusammen, die nur auf den ersten Blick tausende Kilometer auseinanderliegen.

Mit beiden Vorgängen verbinden mich persönliche, zum Teil schöne, aber auch aufwühlende Erlebnisse. Die Kundus-Ausstellung trägt den Titel »Afghanistan - das wahre Gesicht des Krieges«. Zu sehen sind Gesichter unschuldiger Opfer - Männern, Frauen und Kindern -, die am 4. September 2009 bei dem von einem Bundeswehr-Offizier befohlenen Angriff auf zwei Tanklaster ums Leben kamen.

Ich konnte an dem Abend meine Abgeordnetenkollegin Christine Buchholz begrüßen. Sie war Anfang 2010 zusammen mit unserem Fraktionskollegen Jan van Aken in Kundus gewesen. Dort hatten sie sich auch mit Verwandten der Kundus-Opfer getroffen. Es sei das erste Mal gewesen, berichtete sie, dass Bundestagsabgeordnete dies getan hätten. Viele der afghanischen Menschen, deren Schicksal die Ausstellung schildert, kennt sie persönlich und berichtete so ergreifend davon, dass man im Raum eine Stecknadel zu Boden fallen hören konnte: Sie erzählte von einem Bauern, dem beim Angriff ein Arm abgerissen wurde und der nun nicht mehr als Bauer arbeiten kann; von drei Kindern, die trotz Verbots zu den Tanklastern »ausgebüxt« waren und deren Verwandte am Morgen fassungslos vor drei toten Kindern standen.

Von Tag und zu Tag wächst die Zahl ziviler Opfer in diesem Krieg - trotz des martialischen Vorgehens der NATO. So wird Afghanistan keinen Frieden finden. Unsere Forderung nach sofortigem Abzug der Bundeswehr ist mehr denn je berechtigt. Ich erinnerte an dem Abend auch an die mehrfachen Bemühungen der Fraktion DIE LINKE, im Bundestag ein Gedenken an die Opfer von Kundus in die Wege zu leiten. All diese Versuche sind an der Ablehnung durch die anderen Fraktionen gescheitert. Ganz offenbar will man dieses Gedenken nicht.

Anknüpfend daran berichtete Christine Buchholz, dass DIE LINKE den Jahrestag des Bomben-Angriff am 4. September nunmehr zum Anlass nimmt, die Opfer in einer Gedenkveranstaltung in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg zu ehren. Das finde ich gut und richtig.

Der Krieg in Afghanistan wird auch beim kommenden 20. Friedensfest in Strausberg eine zentrale Rolle spielen. Es passiert nicht oft, dass eine solche Veranstaltung über eine so lange Zeit lebendig und interessant bleibt. Ohne die vielen unermüdlichen ehrenamtlichen Helfer und immer neue Ideen, wie das Fest interessant und anziehend bleibt, wäre das nicht gegangen. Ich unterstützte das Friedensfest seit Jahren, stehe dort selbst als Politikerin Rede und Antwort. In meinem Talk »Offene Worte« stelle ich interessante Gäste vor - dieses Mal den künstlerischen Stargast Aurora Lacasa. Darauf freue ich mich schon.

Von Dagmar Enkelmann

linksfraktion.de, 19. August 2010

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