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Junge Beschäftigte auf dem Arbeitsmarkt - befristet, niedrig entlohnt, verliehen

Nachricht von Jutta Krellmann,

Auswertung der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE zu Perspektiven junger Beschäftigter auf dem Arbeitsmarkt

Betrachtet man die Situation von jungen Beschäftigten auf dem Arbeitsmarkt in Zahlen, bleibt wenig von dem viel gerühmten Jobwunder in Deutschland übrig. Auch wenn die offizielle Arbeitslosigkeit von jungen Menschen recht niedrig ist, sieht es für sie auf dem Arbeitsmarkt alles andere als rosig aus. Viele junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen sich mit einem befristeten Vertrag, mit niedrigen Löhnen oder einem Leiharbeitsplatz begnügen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich für jüngere Beschäftigte in den vergangenen zehn Jahren deutlich verschlechtert.

Das Schönwettergerede der Bundesregierung über das angebliche Jobwunder ist heuchlerisch. Die von uns erfragten Zahlen zeigen deutlich, dass gerade junge Beschäftigte zu den Verliererinnen und Verlierern auf dem Arbeitsmarkt gehören. Merkel und Schröder haben die sozialen Schutzplanken platt gewalzt. Das Ergebnis ist schockierend: Die Jüngeren müssen zu einem großen Teil mit prekären Jobs über die Runden kommen. Gerade sie aber brauchen sichere Perspektiven, also unbefristete Jobs und gerechte Löhne.

Dazu Jutta Krellmann: "Wer sich von einem schlecht bezahlten Job zum anderen hangeln muss, der kann seine Zukunft nicht planen, geschweige denn eine Familie gründen. Es braucht endlich eine Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik: Notwendig sind vor allem ein gesetzlicher Mindestlohn, das Verbot von Leiharbeit und das Verbot von Befristungen ohne Sachgrund." Das wäre die beste Politik für mehr Generationengerechtigkeit. Die IG Metall hat mit ihrem Tarifergebnis ein wichtiges Signal gesetzt, indem sie die Übernahme von Auszubildenden nach ihrer Ausbildung tariflich regelt und die Perspektiven für junge Beschäftigte verbessert.

Zentrale Ergebnisse im Einzelnen:

  • Während die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung insgesamt im Zeitraum von 2000 bis 2010 um 0,2 Prozent zugenommen hat, haben sich die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse für die 15- bis unter 25-Jährigen im gleichen Zeitraum um 13,2 Prozent verringert. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse für Beschäftigte im Alter von 15 bis unter 25 Jahren hat sich damit innerhalb von zehn Jahren um rund 500.000 verringert.
  • Auch die Niedriglohnbeschäftigung ist bei jungen Beschäftigten wesentlich weiter verbreitet als bei den Beschäftigten insgesamt. Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende), die dem Niedriglohnbereich zugerechnet werden, liegt bei Beschäftigten im Alter von 15 bis 25 Jahren im Jahr 2010 bei 48,6 Prozent. Das bedeutet nahezu jede/r Zweite in diesem Alterssegment muss mit einem niedrigen Lohn auskommen. Im Jahr 2000 lag der Anteil auch schon bei 43,9 Prozent, er hat sich im Laufe der Jahre aber noch mal deutlich verschlechtert. Im Vergleich dazu liegt der Niedriglohnanteil insgesamt bei 22,8 Prozent im Jahr 2010.
  • Die Branche mit dem höchsten Anteil an Niedriglohnbeschäftigten ist das Gastgewerbe. Hier betrug der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten im Alter von 15 bis 24 Jahren im Jahr 2010 sogar 86,8 Prozent.
  • Zugenommen hat auch die befristete Beschäftigung von Jüngeren. Gab es in dem Alterssegment von 15 bis unter 25 Jahren im Jahr 2000 noch 788.000 befristet Beschäftigte, waren es im Jahr 2010 bereits 985.000. Das ist eine Steigerung um 25 Prozent. Bei jungen Frauen liegt die Steigerung sogar bei 76 Prozent. Der Anteil der befristeten Neueinstellungen an allen Neueinstellungen lag im Jahr 2000 für die Altersgruppe 15 bis unter 25 Jahre bei 32 Prozent, im Jahr 2010 bei 57 Prozent und im Jahr 2011 bei 41 Prozent. Auch wenn es im vergangenen Jahr eine Abnahme gab, ist der Anteil trotzdem deutlich gewachsen und insgesamt ausgesprochen hoch (siehe Antwort Kleine Anfrage Seite 9).
  • Die Anzahl der Beschäftigten im Bereich Leiharbeit hat sich in der Altersgruppe der 15- bis unter 25-Jährigen nahezu verdoppelt. Im Jahr 2000 waren es 68.770 und im Jahr 2010 130.896.
  • Übernahme von Auszubildenden: Im Jahr 2010 wurden 63,9 Prozent der Auszubildenden, die ihre Ausbildung erfolgreich beendet haben, von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen. Allerdings waren es lediglich 35,8 Prozent, die in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen wurden. 28,1 Prozent haben nur einen befristeten Vertrag bekommen (siehe Antwort Kleine Anfrage Seite 20).

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