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»Ich will täglich für mehr Frieden in der Gesellschaft werben«

Im Wortlaut von Lukrezia Jochimsen,

Einen Tag nach ihrer Nominierung als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin erläutert Luc Jochimsen ihre Motivation zu kandidieren.

Luc, deine Präsidentschaftskandidatur gilt wegen der Mehrheitsverhältnisse als aussichtslos. Warum stellst du dich dennoch zur Wahl?

Erstens braucht man bei einer Wahl mehrere Kandidatinnen und Kandidaten, sonst würde letztlich nur einer oder eine per Akklamation das Amt besetzen. Eine solche Wahl muss aber auch mehr sein, als nur das Duell zwischen zwei Menschen. Zudem habe ich in meinem Leben die Erfahrung gemacht - und das spätestens mit meinem Bundestagsmandat seit 2005 -, dass es nicht nur darauf ankommt, sich sofort nur mit seiner Meinung und Haltung durchzusetzen und zu siegen.

Sondern?

Dass man die Themen, von denen man überzeugt ist, dass sie für die Gesellschaft wichtig sind, aussprechen muss. Auch wenn die anderen sich dafür nicht interessieren und deine Vorschläge im Parlament gnadenlos niederstimmen, passiert etwas Hochinteressantes. Wir haben beispielsweise Anträge zum Frieden, zu Afghanistan und zum Mindestlohn gestellt und alle wurden von den anderen Parteien reflexartig abgelehnt, aber diese Forderungen sind in der Gesellschaft geblieben und wurden von der Bevölkerung für immer wichtiger befunden. Deswegen geht es mir nicht darum, als Siegerin aus dieser Wahl hervor zu gehen, sondern hörbar zu machen, was meine Vorstellungen sind.

Welche Ideen willst du in die Debatte einbringen?

Da Bundespräsidenten vor allem die Macht des Wortes haben, will ich täglich für mehr Frieden in der Gesellschaft werben - innen wie außen. Denn derzeit mache ich die Erfahrung, dass wir uns zu einer gar nicht mehr so friedlichen Gesellschaft entwickeln. Zudem will ich mich nicht damit zufrieden geben, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Eine Gesellschaft, in der immer mehr Leute verarmen und einige wenige immer reicher werden - das will ich nicht und davon möchte ich Tag und Nacht reden.

Wir befinden uns seit fast zwei Jahren nicht nur in einer der größten Wirtschaftskrisen, vor wenigen Tagen hat die Bundesregierung auch noch ein gigantisches Sparpaket angekündigt...

... Dieses Sparpaket ist eine Schande. Es lässt die Verursacher der Krise völlig ungeschoren davonkommen. Sie müssen keinen Anteil an der Bewältigung der Krise leisten. Stattdessen zieht es diejenigen zur Verantwortung, die an dieser Krise vollkommen unschuldig sind. Familien und Hartz-IV-Empfänger werden jetzt das Geld bezahlen müssen, dass an Banken, Unternehmen und Spekulanten geflossen ist.

Es wird oft gesagt, der Bundespräsident soll Orientierung geben. Was wären deine Worte als Bundespräsidentin an die Menschen in dieser Zeit der Krise?

Lasst es euch nicht gefallen. Tut euch zusammen. Sorgt für die Zukunft eurer Kinder.
Sorgt dafür, dass eure Kinder nicht in diese Misere hineinwachsen. Formt zusammen mit den Gewerkschaften, den außerparlamentarischen Gruppierungen und Gleichgesinnten einen Protest und nehmt jede Wahl zum Anlass, jenen, die die Misere verursacht haben, zu zeigen, dass sie für dieses Volk nicht wählbar sind.

www.linksfraktion.de, 9. Juni 2010