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Für unsere Gesundheit am Ball bleiben

Im Wortlaut von Katrin Kunert,

Von Katrin Kunert, sportpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

Die Deutschen sind ein ausgewiesenes Fußballvolk. Das ist derzeit mit Blick auf das Halbfinale gegen Spanien nicht zu übersehen. Und dass die Emotionen beim Fußball besonders hochschlagen, belegt eine 2006 zur Fußball-WM durchgeführte Studie: Im Zeitraum der WM mussten die Notärzte immer an Tagen, an denen Deutschland spielte, dreimal so häufig wegen Verdacht auf einen Herzinfarkt ausrücken als an anderen Tagen. So weit so gut.

Diese Studie belegt: Wir neigen zu einer gewissen Leidenschaft, zumindest beim Fußball. Eine ähnliche Leidenschaft wünschte ich mir in der Bevölkerung angesichts der nun von der schwarz- gelben Bundesregierung verabschiedeten so genannten Gesundheitsreform.

Die Beiträge sollen auf 15,5 Prozent steigen. Die Obergrenze für Zusatzzahlungen soll entfallen. Und so gibt es quasi durch die Hintertür doch die Kopfpauschale. Die Finanzierung der Gesundheitskosten in Deutschland wird mehr und mehr von den Versicherten getragen, Arbeitgeber werden aus ihrer Verantwortung zunehmend entlassen. Das Gesundheitssystem wird zum Gesundheitsmarkt, und das Solidarprinzip wird untergraben.

Die Bundesregierung tappt gleich zweimal in die Abseitsfalle: Einmal doktert sie nur an den Symptomen des kranken Gesundheitssystems herum. Und sie setzt in keinster Weise auf präventive Maßnahmen, um die Gesundheit zu fördern.

Die Finanzierung des Gesundheitssystems muss solide gestaltet werden. Nur unter Einbeziehung aller Einkommen und durch Herstellung der Parität bei den Kosten können die Lasten gerecht und solidarisch geschultert werden.

Und die Frage der Gesundheitsförderung - konkret in Form eines Präventionsgesetzes - bleibt völlig unberücksichtigt. Hier muss angesetzt werden, Sport und Bewegung sind wichtige Bestandteile für eine gesunde Lebensweise. Schon im frühkindlichen Alter muss mit regelmäßiger Bewegung begonnen werden bis hin zu Angeboten für Seniorinnen und Senioren. Mobilität ist Lebensqualität und beugt unter anderem Herzinfarkten vor.

Deshalb sollte die Begeisterung für den Fußball aufgegriffen werden, um die sportliche Betätigung in der Gesellschaft für bestimmte Altersgruppen noch mehr zu fördern. Diese Aspekte einer modernen Gesundheitspolitik sollte die Bundesregierung in den Fokus rücken. Vorbeugen ist schließlich besser als Heilen.

Vor allem fordert und fördert Sport - und besonders Fußball - auch Teamgeist. In Mannschaftssportarten kommt man nur gemeinsam ans Ziel oder zum Sieg. Ich hoffe, dass die Kanzlerin sich beim erfolgreichen Viertelfinalspiel in Kapstadt gegen Argentinien einiges Positives bei der deutschen Mannschaft für ihre Regierungstruppe abgeschaut hat. Ein faires Zuspiel, genaue Pässe, Solidarität und Kampfgeist bisher nur die Jogi-Elf in Südafrika gezeigt.

Die Versicherten können die Krankenkasse wechseln. Der Bundestrainer kann seine Spieler auswechseln. Was aber machen wir nur mit dieser Bundesregierung?

Ich wünsche mir ohne erhöhtes Herzinfarktrisiko mehr Leidenschaft bei den Bürgerinnen und Bürgern im Widerstand gegen solche sozialen Gemeinheiten, die sich gegen die Mehrheit der Menschen im Land richtet.

Und für heute Abend wünsche ich mir ein tolles und faires Spiel gegen die Spanier. Die deutsche Mannschaft hat vielen Menschen im Land Freude und Lust auf mehr gemacht. Also nicht verpassen: 20.30 Uhr ist Anpfiff. Die LINKE wünscht maximalen Erfolg.

linksfraktion.de, 7. Juli 2010

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