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Frauenkämpfe sind Kämpfe für alle Menschen

Im Wortlaut von Cornelia Möhring,

Von Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

Vor 100 Jahren fand das erste Mal der Internationale Frauentag statt. Mit Demonstrationen in vielen Ländern forderten Frauen ihre Rechte ein. In den ersten Jahren kämpften sie vor allem für das Frauenwahlrecht und gegen die zunehmende Kriegsgefahr. In Deutschland setzten sie sich außerdem für höhere Löhne und soziale Rechte ein. Eine besondere Rolle spielte hier von Anfang an der Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen 218. Am Internationalen Frauentag warnten Frauen und Männer schon vor 1933 vor dem Faschismus und führten trotz des Verbotes von Veranstaltungen unter freiem Himmel Massenkundgebungen gegen Krieg und Nazi-Terror durch. Seit 1911 wurden durch diese Kämpfe wesentliche Verbesserungen für Frauen in unserem Land erreicht und gegen hartnäckige Widerstände durchgesetzt. Dennoch gibt es noch immer sehr viel zu tun. Auch deshalb gewinnt der Internationale Frauentag seit der Jahrtausendwende wieder zunehmend an Bedeutung für Frauen und Männer.

Gleichstellung ist zwar ein verbrieftes Grundrecht, doch die Realität sieht anders aus. Die Bewältigung der Krise wird zu Lasten der Mehrheit der Menschen vorangetrieben und die Umverteilung von unten nach oben fortgesetzt. Nicht nur frauenpolitische Strukturen und Beratungseinrichtungen werden abgebaut. Der Staat zieht sich insgesamt immer stärker aus seiner Verantwortung für die Bevölkerung zurück. Als Folge werden gesellschaftliche Aufgaben individualisiert. Das Ergebnis: die geschlechterspezifische Arbeitsteilung wird verfestigt und den Frauen wird wieder die Erziehung der Kinder, die Pflege der Alten und Kranken zugeschrieben.

Gleichzeitig steigt der Lohnunterschied für gleiche und gleichwertige Arbeit seit Jahren. Frauen erhalten 25 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Jede dritte vollbeschäftigte Frau arbeitet im Niedriglohnsektor, der zunehmend ausgebaut wird. Trotz der niedrigeren Löhne sind Frauen zunehmend in der Rolle der Familienernährerin und müssen das durch zwei oder sogar drei prekäre Jobs schaffen. Diese Entwicklungen führen dazu, dass die Armut im Alter dramatisch zunimmt.

Einen drastischen Rückschritt erleben Frauen auch, sobald sie erwerbslos werden: Statt einer eigenständigen Existenzsicherung sind sie in Bedarfsgemeinschaften abhängig von ihren Partnern oder anderen Familienangehörigen.
Selbst die Diskussion um die Quote in der Privatwirtschaft zeigt, dass auch in der reichen Bundesrepublik Welten liegen zwischen der formalen Gleichberechtigung von Frauen und Männern und der Gleichstellung in der Realität.

Wenn Frauen sich gegen diese Politik wehren, kämpfen sie nicht nur für sich, sondern für ein gutes Leben für alle, für eine gerechte Verteilung und Bewertung von Arbeit. Sie kämpfen darum, dass alle Menschen über die Zeit verfügen können, die sie leben. Frauenkämpfe sind Kämpfe für die Menschen. Der internationale Frauentag muss ein internationaler Kampftag werden.

DIE LINKE fordert:

  • gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit;
  • einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 10 Euro;
  • die Abschaffung der Bedarfsgemeinschaften und eine eigenständige Existenzsicherung von Frauen;
  • das bedingungslose Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und die Streichung des § 218 sowie Kostenfreiheit für alle Verhütungsmittel;
  • ein Mindestelterngeld von 450 Euro ohne Anrechnung auf Hartz IV und 12 Monate Elterngeldanspruch pro Elternteil bzw. 24 Monate für Alleinerziehende;
  • eine armutsfeste Alterssicherung;
  • ein Leben in Frieden – gegen Kriegseinsätze der Bundeswehr.
     

linksfraktion.de, 7. März 2011

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