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Endlich Gerechtigkeit für die Opfer von Kundus

Im Wortlaut von Christine Buchholz,

Christine Buchholz (li.) 2010 im Gespräch mit Leila (re.), die beim Bombenangriff in Kundus im September 2009 ihre beiden 13 und 15 Jahre alten Söhne verlor

 

Von Christine Buchholz

 

Im September 2009 starben bei einem von der Bundeswehr angeordneten Bombenangriff auf angebliche "Aufständische" weit über hundert Menschen – in großer Mehrheit Zivilistinnen und Zivilisten, unter ihnen viele Kinder und Jugendliche. Seit mehr als vier Jahren fordern die Opfer vergeblich eine Entschädigung von der Bundesregierung. Heute begann in einem im März dieses Jahres vor dem Bonner Landgericht begonnenen Musterprozess die Beweisaufnahme. Die Bremer Rechtsanwälte Karim Popal und Peter Derleder hatten den Prozess im Namen zweier Angehöriger auf Schadenersatzzahlungen gegen die Bundesrepublik Deutschland angestrengt. Dabei fordern zwei Angehörige Zahlungen von 40.000 bzw. 50.000 Euro Schadenersatz für ihre getöteten Kinder bzw. den Ehemann und Familienvater. Die Bundesregierung verweist bislang immer auf die unverbindlichen Zahlungen in Höhe von 5000 Dollar, die sie an einige Familien geleistet hat. Üblich sind aber bei einem Schuldeingeständnis der NATO in Afghanistan bis zu 30.000 Dollar für jeden Gestorbenen.    Viele Hinterbliebene, besonders die Witwen, leben in Armut. Stellvertretend für die Opfer klagen Abdul Hanan, der seine beiden minderjährigen Söhne durch den Bombenschlag verlor, und Qureisha Rauf, Mutter von sechs Kindern, deren Ehemann und Familienvater bei der Bombardierung getötet wurde. Von deren Schicksal und dem anderer Opferfamilien hatte ich mir 2010 in Kundus ein Bild machen können.

Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung sich immer noch weigert, die Verantwortung für die Bombardierung von Kundus zu übernehmen und die Opfer angemessen zu entschädigen. Die Bombardierung auf Befehl der Bundeswehr war das schwerste militärische Verbrechen Deutschlands seit dem Zweiten Weltkrieg.    Unsere Solidarität gilt den Überlebenden und Hinterbliebenen und ihrem mutigen Kampf für Gerechtigkeit.    linksfraktion.de, 30. Oktober 2013