Zum Hauptinhalt springen
Gastronom Vasili aus Sachsen-AnhaltFoto: Olaf Krostitz

»Die Küche ist der schwerste Job«

Im Wortlaut,

Es sind die einfachen Leute, die unter der Krise am meisten leiden – Gastronomen, Arbeitslose, Rentnerinnen und Alleinerziehende. Wir sind nach Bernburg in Sachsen-Anhalt und zu einer Tafel in Berlin gefahren, um mit denen zu sprechen, die den Laden trotz allem am Laufen halten.

Die Säulen in Vasilis Restaurant stehen schon seit 1993. Ein befreundeter Grieche aus Münster hatte damals eigenhändig die Säulen der Akropolis im beschaulichen Bernburg in Sachsen-Anhalt nachgebaut. Vasili kam damals als junger Mann von der Insel Korfu zunächst nach Braunschweig. Nach der Wende zog es ihn in den Osten. »Hier gibt es keinen Griechen«, sagte man dem Gastronom. Und er entschied, zu bleiben und das erste griechische Restaurant in Bernburg zu eröffnen – das »Athen«.

Der Gastronomie hat die Pandemie stark zugesetzt

Vasili wacht wie ein Patron über sein 180 Quadratmeter großes Reich. Mit seinem freundlichen Lächeln begrüßt er die Gäste an den Tischen, fast jeden kennt er persönlich. Nur dank der Stammkundschaft habe man die Lockdowns überstanden. »Wir haben es durchgeschafft – toi, toi, toi«, sagt er erleichtert und klopft auf Holz. Als Vasili sein Restaurant wegen der Corona-Auflagen schließen musste, nutzte er die Zeit, um seine Akropolis zu renovieren.

Der Gastronomie hat die Pandemie stark zugesetzt. Zehntausende haben während Corona ihren Job gewechselt und sind nicht wieder zurückgekehrt. Jetzt fehlt an allen Ecken und Enden das Personal. Anfang dieses Jahres waren im Hotel- und Gastronomiegewerbe fast 500.000 neue Stellen ausgeschrieben.

Angst vor höheren Preisen

Die staatlichen Hilfen während der Pandemie kamen zwar bei Vasili an, aber die Zeit sei trotzdem schwierig gewesen: »Du hattest keinen Gewinn, das ist klar, aber du hattest wenigstens auch kein Minus«, lautet seine nüchterne Bilanz der letzten Jahre. Für den Winter und die explodierenden Energiepreise sind noch keine Hilfen in Sicht. Wegen der Preissteigerungen stehen einige Betriebe nun kurz vor der Insolvenz.

Der 57-Jährige übergab vor drei Jahren das Geschäft an den jüngeren Pavlo und seine Frau Diana. Auch sie wissen nicht, wie hoch die kommenden Gas- und Stromrechnungen sein werden. In dem Restaurant, das insgesamt 140 Plätze zählt – die meisten davon im Raucherbereich –, werden acht Mitarbeiter beschäftigt. Das reicht gerade so. »Angst habe ich nur vor den höheren Preisen«, sagt Vasili.

Auf die Frage, warum so wenige in der Gastronomie arbeiten wollen, antwortet er: »Es ist nicht mehr wie früher, die Küche ist der schwerste Job.« Er schaut skeptisch in die Zukunft. Ins »Athen« kommt er trotzdem immer noch jeden Tag: »Mein Herz steckt hier drin.«


Text: Ines Schwerdtner
Fotografie: Olaf Krostitz

Nach oben