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»Die Bundeswehr-Strategie ist auf Angriff gepolt. Das will geübt werden.«

Interview der Woche von Petra Pau,

Petra Pau, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, im Interview der Woche zum Bombodrom.

Ein Brandenburger Gericht hat der Bundeswehr erneut untersagt, das so genannte Bombodrom militärisch zu nutzen. Sie haben freudig reagiert.

Das »Bombodrom« umfasst 144 Hektar. Würden hier NATO-Geschwader Bomben üben, könnte man die zivile Zukunft der ganzen Nord-Ost-Region abschreiben. Es war übrigens die 24. Niederlage für die Bundeswehr vor Gericht.

Also Aufwind für die Friedensinitiative?

Sagen wir es mal fromm. »Vor Gericht und auf hoher See sind alle in Gottes Hand«, heißt es. So gesehen ist Gott offenbar mit uns gegen das Bombodrom. Das ist doch eine gute Oster-Botschaft. Aber das wahre Leben ist irdischer.

Nämlich?

Seit 17 Jahren kämpfen mehrere Bürgerinitiativen gegen die erneute militärische Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide. Der »Spiegel« schrieb einmal, sie wären die »zähesten in Ost-Deutschland«.

Sogar mit Unterstützung der Landespolitik!

Es gibt Unisono-Beschlüsse der drei Landesparlamente in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gegen das »Bombodrom«. Aber alle Bundesregierungen stellen sich bislang dagegen, egal ob sie Unions- oder SPD-dominiert sind.

Haben Sie dafür eine Erklärung?

Sogar zwei: Zum einen wurde die Bundeswehr-Strategie seit der deutschen Vereinigung auf Angriff gepolt. Das will geübt werden. Zum zweiten ist ein riesiges Bombenabwurf-Areal ein lukratives Geschäft innerhalb der NATO. Man munkelt, es gäbe Geheimverträge.

Glauben Sie das?

Nichts Genaues weiß man nicht. Aber wenn, dann wären sie verfassungswidrig.

Die Bundeswehr plädiert für Gerechtigkeit. Im Westen übe sie Tiefflüge, also dürfe sich der Osten nicht verweigern.

Gegenfrage: Warum verweigert sich nicht der Westen genauso? Eine doppelte Null-Lösung wäre die bessere.

Das haben Sie als Ost-Genossin nun fein formuliert…

…Nein, als gesamtdeutsche Linke, die global denkt. Zumal: Ich kenne keinen Fall, weltweit, bei dem die NATO Frieden gestiftet hätte.

Aber die NATO feiert gerade „60 Jahre“ und sich als Zukunfts-Projekt

Mein Geburtstagswunsch lautet: Die Bomben-Zeit ist vorbei - ab jetzt wird endlich abgerüstet!

Wieder ein frommer Wunsch…

…vielleicht, aber letztlich gilt ohnehin: Es rettet uns kein höheres Wesen! Wir alle und mehr müssen zäh sein, wenn wir Erfolg und Frieden wollen.

Fragen: Rainer Brandt

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