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»Die Altenpflege hat die Ausreden satt«

Nachricht von Pia Zimmermann,

Schon in der zweiten Hälfte des durch die Pandemie geprägten Jahres 2020 mehrten sich die Stimmen, die vor einem verstärkten Rückzug von Beschäftigen in der Altenpflege aus ihrem Beruf warnten. Pia Zimmermann, Sprecherin für Pflegepolitik der Fraktion DIE LINKE, hat exklusiv die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zur Entwicklung der Beschäftigung in der Alten- und Krankenpflege ausgewertet.

Vom 31. Dezember 2019 bis zum 31. August 2020 ging die Anzahl der in der Altenpflege sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 1.297 zurück, bei Berücksichtigung auch der ausschließlich geringfügig Beschäftigten sogar um 2.651.

Pia Zimmermann„Die Altenpflege hat die Ausreden satt! Eine Reform ist hier mehr als überfällig. Auf dem Weg in Richtung guter Pflege liegen zwei Baustellen: Erstens eine deutliche Erhöhung der Entgelte in der Altenpflege. Nur so können zusätzliche Beschäftigte gewonnen und die vorhandenen gehalten werden. Zweitens eine solide Finanzierung für höhere Löhne, mehr Personal und eine Entlastung der Menschen mit Pflegebedarf und der pflegenden Angehörigen. Beide Baustellen hinterlässt die GroKo als Ruine. Herr Spahn hinterlässt die katastrophalen Verhältnisse allerdings mit vollem Vorsatz.

Wir brauchen gute Arbeitsbedingungen und Tarifverträge für alle. Das lässt sich mit der Solidarischen Pflegeversicherung solide finanzieren, ohne weiter Menschen mit Pflegebedarf zur Kasse zu bitten! Die Caritas muss den Weg für einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag frei machen, statt den geringverdienenden Altenpflegerinnen und -pflegern die dringend nötigen Verbesserungen zu verwehren. Sonst wird auch bei ihr ‚christlich‘ bald nur noch mit Eigennutz übersetzt.“

Die Zuwächse in der Beschäftigung der Altenpflege haben an den hohen und in der Pandemie gestiegenen Arbeitsbelastungen nichts geändert. In den letzten Monaten des Jahres 2020 gab es viele Stimmen von in der Pflege Beschäftigten, sich „spätestens nach Corona einen anderen Job suchen zu wollen“.  Eine Umfrage des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) im Dezember ergab, dass „ein Drittel“ der befragten Pflegenden „erwägt, aus dem Pflegeberuf auszusteigen“.

Vor diesem Hintergrund hat Pia Zimmermann bei der Bundesagentur für Arbeit die jüngst verfügbaren, noch nicht veröffentlichten Zahlen der Beschäftigten in der Altenpflege abgefragt und ausgewertet (Anfang 2018 bis Ende August 2020):

  • 31. Dezember 2019 bis zum 31. August 2020 nimmt in der Altenpflege die Anzahl der Beschäftigten insgesamt um 2.651 ab (sozialversicherungspflichtig Beschäftigte [svB]: -1.297; ausschließlich geringfügig Beschäftigte [agB]: -1.354).
  • Die Rückgänge der svB, die zwischen einem Rückgang von gut 200 bis über 1.400 (Mai 2020) liegen, beginnen Anfang Dezember 2019 und halten kontinuierlich bis Ende Juli an; im August gibt es einen kräftigen Zuwachs von 3.230 svB.
  • Auch in 2018 und 2019 wurden die Beschäftigungszuwächse im jeweiligen Gesamtjahr zu einem kleinen Teil mit leicht überdurchschnittlichen Zuwächsen im April und mit deutlich überdurchschnittlichen Zuwächsen in den drei Monaten August bis Oktober erreicht (Hintergrund sind die Einstellungen von erfolgreich Ausgebildeten).
  • Dennoch gibt es Gründe zu Besorgnis: 
    1. In den 23 Monaten mit verfügbaren Daten (ab 31.01.2018) vor dem Dezember 2019 gab es nur fünf Monate mit Rückgängen bei der svB; jetzt gibt es in neun Monaten einen achtmonatigen Rückgang. 
    2. Die absolute wie relative Höhe des Zuwachses im August 2020 im Vergleich zum Vormonat (+3.230; +0,526%) liegt unter den beiden entsprechenden Vorjahreswerten (2018: +4.219; +0,7249%; 2019: 4 346; 0,7246%).

Ergebnisse im Einzelnen [PDF]