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»Deutschland sollte der erste Kriegsdienstverweigerer dieser Welt werden«

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Tausende demonstrieren in Bonn für einen Truppenabzug aus Afghanistan und gegen die Afghanistankonferenz auf dem Petersberg

Unter dem Motto "Sie reden vom Frieden. Sie führen Krieg. Truppen raus aus Afghanistan!" hat am Samstag ein breites Protestbündnis für einen Truppenabzug aus Afghanistan und gegen die Afghanistankonferenz auf dem Petersberg demonstriert. 4500 Demonstranten und Demonstrantinnen versammelten sich zur Auftaktkundgebung auf dem Kaiserplatz in Bonn und hörten die Redebeiträge der Vertretern der Deutschen Friedensgesellschaft und von Ärzte gegen den Atomkrieg.

Auch Malalai Joya, die laut BBC "mutigste Frau Afghanistans", die zurzeit auf Einladung der LINKEN in Deutschland ist, erhob bei der Auftaktkundgebung ihre Stimme gegen den Krieg in ihrem Land und wies Bedenken zurück, dass sich die Situation in Afghanistan bei einem Abzug der internationalen Truppen weiter verschlechtern würde. Denn "die Präsenz der internationalen Truppen spielt nur den Warlords in die Hände und verhindert, dass sich eine demokratische und progressive Bewegung in Afghanistan entwickeln kann. Wenn der Krieg in Afghanistan auch nach dem Abzug weitergeht, so müssen wir wenigstens nicht mehr die Bomben fürchten, die über unseren Köpfen abgeworfen werden", betonte Joya.

Anschließend zog die Demonstration, an der sich auch Mitglieder der Bundestagsfraktion DIE LINKE beteiligten, durch die Bonner Innenstadt um sich zur Abschlusskundgebung mit dem amerikanischen Friedensaktivisten Joseph Gerson und der niederländischen Band Bots wieder auf dem Kaiserplatz einzufinden.

Gregor Gysi, der ebenfalls auf der Abschlusskundgebung sprach, forderte Bundeskanzlerin Merkel auf, die deutschen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen: "Ich sage wie Willy Brandt: Krieg ist das Ultima Irratio. Wir brauchen keinen Krieg." Zuerst, so Gysi, seien es die Taliban gewesen, die man bekämpft habe, und nun wolle Merkel mit den Taliban verhandeln. Weiter habe man den Krieg mit Menschenrechten und Mädchenschulen gerechtfertigt, aber auch da hat sich nichts verbessert. Die Deutschen dürfen den Afghanen nicht vorschreiben, was sie zu tun haben, sagte Gysi und forderte die Bundesregierung auf, den Krieg zu beenden: "Deutschland sollte der erste Kriegsdienstverweigerer dieser Welt werden, damit würde es Lehren aus der Geschichte ziehen."