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Deutsche Telekom: Innerhalb von 10 Jahren 120 000 Arbeitsplätze vernichtet

Nachricht von Klaus Ernst,

Offener Brief an den Vorstandvorsitzenden der Deutsche Telekom AG, René Obermann

Sehr geehrter Herr Obermann,

mit Empörung und zutiefst verärgert habe ich zur Kenntnis genommen, dass der Vorstand der DTAG erneut gravierende Einschnitte bei den Gehältern und Arbeitsbedingungen der Telekom-Beschäftigten plant.

Es ist nicht nur für mich ein unerträglicher Vorgang, wenn Sie den Beschäftigten der Deutschen Telekom, denen Sie bereits in den letzten Jahren einiges zugemutet haben, erneut massiv die Gehälter kürzen wollen und dann auch noch verlangen, dass unentgeltlich länger gearbeitet werden soll, während der Konzern Jahr für Jahr Milliardengewinne verbucht. Seit der Privatisierung vor 10 Jahren wurden in 16 Umorganisationen rund 120.000 Arbeitsplätzen vernichtet, der Abbau von weiteren 32.000 ist beschlossene Sache.

Ich halte eine Konzernspitze, die ihre Beschäftigten für Managementfehler in Haftung nimmt, und Vorstandsvertreter, die sich unumwunden als alleinige Interessenvertreter der Anteilseigner verstehen, denen jeder Sinn für soziale Verantwortung und nachhaltige Unternehmenspolitik abhanden gekommen zu sein scheint, für völlig ungeeignet, Verantwortung an der Spitze eines Weltkonzerns wahrzunehmen. Lohndrückerei und tarifpolitische Drohgebärden dürfen nicht zum Markenzeichen eines Konzernmanagements werden.

Mit ihrer Politik gegenüber der Belegschaft tragen sie dazu bei, den wegen der Vorgänge in anderen Unternehmen - ich denke dabei nicht nur an die Verwicklungen des Siemens-Vorstands in offensichtlich kriminelle Machenschaften, sondern auch an das Verhalten der Vorstände des ehemaligen Mannesmann-Konzerns oder an Herrn Hartz vom Volkswagen-Konzern - ohnehin schon ramponierten Ruf von Vorständen deutscher Unternehmen weiter nachhaltig zu beschädigen.

Ich kritisiere entschieden das Verhalten Ihrer Vertreter in dem sich anbahnenden Arbeitskampf. Der von Ihnen vorgelegte „Kompromissvorschlag“ ist für die Beschäftigten völlig unzumutbar. Die von Ihrem Verhandlungsführer öffentlich geäußerten Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Arbeitskampfes der Telekom-Beschäftigten und die öffentlich ausgestoßenen Drohungen, gegen etwaige Streiks juristisch vorzugehen, entbehren jeder Grundlage und sind ein absurder Vorgang. Nicht die Gewerkschaft ver.di droht der DTAG, sondern Sie bedrohen mit Ihrem Vorhaben die Zukunft Zehntausender Menschen. Gerade mit den Plänen für eine massive Absenkung der Einstiegsgehälter nehmen Sie bewusst in Kauf, dass eine Beschäftigung bei der Telekom in Zukunft zum Armutsrisiko wird.

Als Abgeordneter des Deutschen Bundestags und als Erster Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt werde ich deshalb solidarisch und mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln die Telekom-Beschäftigten und die Gewerkschaft ver.di in dieser Auseinandersetzung für menschenwürdige Arbeitsbedingungen, sichere Arbeitsplätze und für den Erhalt des bisherigen Lohnniveaus unterstützen.

Ich hoffe, dass die von Ihnen propagierte und rücksichtslose Durchsetzung von Profitinteressen am berechtigten Widerstand der Beschäftigten scheitern wird. Als Mitglied der Bundestagsfraktion DIE LINKE. darf ich Ihnen ankündigen, dass ich versuchen werde, das inakzeptable Verhalten des Vorstands der DTAG auch vor das Plenum des Deutschen Bundestags zu bringen. Gerade Ihr Vorgehen wird meine Fraktion im Bundestag zum Anlass nehmen, die Ausweitung des Streikrechts für Arbeitnehmer und die stärkere Verpflichtung unternehmerischen Handelns an Gemeinwohlinteressen politisch zu thematisieren.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Ernst