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Der lange Weg zum Frieden

Im Wortlaut von Nicole Gohlke,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.

Nicole Gohlke (r.) mit dem Friedensaktivisten und Buchautor Reuven Moskovitz

Am 22. Juli durfte ich zusammen mit dem Friedensaktivisten und Buchautor Reuven Moskovitz aus Israel in Bad Tölz die Veranstaltung »Palästina und Israel - Der lange Weg zum Frieden« bestreiten. Ich berichtete über die Vorfälle im Mai dieses Jahres. Friedensaktivistinnen und -aktivisten aus aller Welt hatten mit dem Schiffskonvoi »Free Gaza«, bestehend aus 8 Schiffen, Hilfsgüter nach Gaza transportieren und auf die Unrechtmäßigkeit der Blockade aufmerksam machen wollen. Unter den Passagieren waren Abgeordnete aus vielen Ländern und Prominente, wie der Krimiautor Henning Mankel. Aus Deutschland waren für DIE LINKE zwei Abgeordnete mit an Bord.

Die Flotte wurde im Morgengrauen durch das israelische Militär angegriffen, 9 Menschen wurden dabei getötet, über 50 zum Teil schwer verletzt. Die Passagiere wurden in Gefängnisse gebracht, und ihre gesamten Sachen, darunter auch Ton- und Bildmaterial, das den Überfall dokumentierte, wurden beschlagnahmt. Das Agieren des israelischen Militärs erregte großes Aufsehen, auch weil der Überfall in internationalen Gewässern stattfand.

Der Zivilcourage und dem Mut der Friedensaktivistinnen und -aktivisten an Bord der Schiffe ist es jedoch zu verdanken, dass in der breiten Öffentlichkeit überhaupt wieder über die Situation der 1,5 Millionen Menschen in Gaza gesprochen wird, dass gewissermaßen ein erster Riss - wie es Reuven Moskovitz nannte - in der Blockade entstanden ist. Reuven Moskovitz, Autor des Buches »Der lange Weg zum Frieden«, verglich die Lage in Israel mit einer Person, die sich in einem Zug befinde und bei jedem Bahnhof laut jammere: Als ihn die Mitfahrer besorgt fragen, was ihm fehle, antwortet er: »Wieso soll ich nicht jammern, wenn ich doch im falschen Zug sitze!« »Warum steigen Sie dann nicht aus?« »Mein Platz ist bequem, und ich habe bezahlt.«

Reuven forderte das Publikum eindringlich dazu auf, sich kritisch zur Politik Israels zu äußern - einer Politik, die aus seiner Sicht nicht auf Frieden aus sei, sondern den Krieg zementiere. Er selbst gebe die Hoffnung nicht auf, dass es in Israel einmal Frieden geben wird. Die Voraussetzung hierfür wären jedoch Wertschätzung und Solidarität zwischen allen Menschen die dort leben.

In einer spannenden und lebhaften Diskussion wurde darüber nachgedacht, wie dieses Thema, das aus bekannten historischen Gründen oft recht irrational diskutiert wird, auf einer sachlichen Basis geführt werden kann - ohne Verurteilungen und Vorurteile.
Reuven beendete die Veranstaltung mit jüdischen Liedern auf seiner Mundharmonika. Beim Nachhausegehen fragte unser italienischer Wirt lachend: »Wann macht ihr die nächste Revolution?«

Von Nicole Gohlke

linksfraktion.de, 23. Juli 2010

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