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»Das Ausmaß war mir nicht bewusst«

Im Wortlaut von Paul Schäfer,

Herr Schäfer, welche Information, die Sie im Untersuchungsausschuss zum Luftangriff von Kundus erhalten haben, hat Sie am meisten überrascht?

Am meisten überrascht war ich von der engen Verzahnung des normalen Bundeswehrkontingents und der ominösen Task Force 47, die im Kern von geheim agierenden Spezialkräften gebildet wird. Selbst wenn man weiß oder davon ausgeht, dass das Kommando Spezialkräfte (KSK) in Kundus aktiv ist, so war mir das Ausmaß der Verquickung so nicht klar. Die Öffentlichkeit weiß darüber nicht Bescheid, dass der Geist der Spezialkräfte, die auf offensive Operationen angelegt sind, sich auf die gesamte Bundeswehr ausbreitet.

Ist es denkbar, dass Oberst Georg Klein, der den Befehl zum Bombenabwurf gab, nur nützlicher Trottel in einer Talibanjagd-Operation des KSK war?

Oberst Klein war als Kommandoführer verantwortlich und hat die Verantwortung auch selbst übernommen. Aus seiner Sicht war es einfach nötig - weil die Bundeswehr mehr und mehr in Bedrängnis geraten war - zum großen Schlag auszuholen.

Das passte aber zu den Plänen des KSK, die lokale Taliban-Führung erwischen zu wollen. Die Frage, ob Klein nun ein Einzeltäter war oder von einem anderen Akteur - der Task Force 47 - gesteuert wurde, ist für mich insofern obsolet. Schuld haben alle Beteiligten auf sich geladen.

Arbeiten die Fraktionen im Ausschuss in ihrer Fragestrategie mit- oder gegeneinander?

Das Aufklärungsbedürfnis im Ausschuss ist nicht gleichgewichtig verteilt. Die Opposition hakt schon stärker nach als die Regierungsfraktionen. Doch gab es bei der Vernehmung von Oberst Klein ein Zusammenspiel, in dem sich die Fragen ergänzten. Das war wohl auch der Überraschung geschuldet, wie auskunftswillig Oberst Klein war.

Denken Sie, dass es gelingen wird, sachlich aufzuklären, was noch nicht in den Medien stand, bevor der Ausschuss sich politisiert und lahmlegt?

Was das Geschehen vor Ort anbetrifft und die unmittelbare Verbindung zur Führung des Einsatzes etwa in Kabul, Potsdam und Berlin, ist noch ein großes Feld zu beackern. Hinzu kommt natürlich der eigenständige Untersuchungskomplex, in dem es um die Rolle der Bundesregierung gehen wird. Da wird zu klären sein, wie es zum dramatischen Meinungswandel des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg kam - von \\"militärisch angemessen\\" zu \\"nicht angemessen\\".

Die nächste Sitzung des Untersuchungsausschusses ist am 25. Februar. Im März sollen schon die Politiker, namentlich Guttenberg, gehört werden.
Sind die vielen Fragen, die sich allein aus Kleins Aussage ergeben, bis dahin aufklärbar?

Das wird möglicherweise stark davon abhängen, ob die nächsten Zeugen dem Vorbild Kleins folgen und ausführlich reden - oder ob sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen.

Interview: Ulrike Winkelmann für die taz vom 15. Februar 2010

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