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Bundesregierung tut zu wenig gegen Bädersterben

Nachricht von Jan Korte,

Analyse und Statement von Jan Korte zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Bädersterben und Entwicklung der Schwimmfähigkeit der Bevölkerung“ (Bt-Drs. 19/32342)


Hintergrund

Durch die Corona-Pandemie war fast jedes Schwimmbad über ein Jahr lang geschlossen und der komplette Schwimmunterricht fiel aus. Die DLRG hat deswegen vor steigenden Nichtschwimmerzahlen gewarnt. Aber das Problem ist nicht neu: Viele Schwimmbäder in Deutschland sind marode – der Sanierungsstau wird auf ca. 4,5 Milliarden Euro geschätzt - oder geschlossen, ihre Öffnungszeiten auch wegen fehlendem Personal und zu hoher Betriebskosten eingeschränkt. Seit dem Jahr 2000 mussten in Deutschland im Schnitt etwa 80 Bäder jährlich schließen. Laut Sportstättenstatistik der Innenministerkonferenz standen im Jahr 2000 noch 6.700 für die Schwimmausbildung nutzbare Bäder zur Verfügung, im Jahr 2020 sind es nur noch 4.700 (siehe DLRG-Jahresbericht 2020, Seite 9). 

Ein wachsender Anteil Kinder, Jugendlicher und Erwachsener kann nicht gut oder überhaupt nicht schwimmen. Deutschland entwickelt sich zum Land der Nichtschwimmer: Immer mehr Kinder sind keine sicheren Schwimmer, wenn sie die Grundschule verlassen, zuletzt lag die Quote sicherer Schwimmer unter den Zehnjährigen bei gerade noch 40 Prozent. Gut ein Viertel aller Grundschulen hat gar keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad und es fehlt qualifiziertes Fachpersonal (siehe DLRG-Jahresbericht 2020, Seite 8). So konnte die DLRG in 2020 nur noch 23.458 Schwimmprüfungen abnehmen, in 2019 waren es noch 92.913.

Die Bundesprogramme zum Erhalt und zur Sanierung von Schwimmbädern konnten das Bädersterben bislang nicht im Ansatz stoppen.

Dazu erklärt Jan Korte, 1. Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag:

"Auch wenn die Bundesregierung immer noch keine eigenen Daten hat, so ist die Lage doch klar: Fast 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Ein Viertel der Grundschulen hat keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad. Über Jahre sind etliche Schwimmbäder aus Kostengründen geschlossen worden und nach wie vor gibt es einen riesigen akuten Sanierungsstau von geschätzt 4,5 Milliarden Euro, den die Kommunen nicht alleine tragen können. Nach der Corona-Pandemie werden die kommunalen Kassen endgültig leer sein. Gleichzeitig werden zwei Jahrgänge wegen der Schließungen nicht schwimmen gelernt haben. Wann, wenn nicht jetzt, wäre die Zeit, einen wirklichen Goldenen Plan aufzulegen und massiv in die Schwimmfähigkeit von Kindern und in die Gesundheit der Bevölkerung zu investieren? Die nächste Bundesregierung muss, sobald die Daten aus dem Forschungsprojekt 'Bäderleben' vorliegen, endlich den kompletten Sanierungsbedarf abdecken und so dem Bädersterben Einhalt gebieten. Statt Aktienkonzerne mit Milliardenhilfen zu unterstützen könnte man so etwas für die Gesellschaft tun und gleichzeitig die Wirtschaft ankurbeln."


Ergebnisse im Einzelnen (PDF)

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