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Bundesregierung schweigt zu Jugendarmut

Nachricht,

Jede vierte Jugendliche von Armut bedroht

Das Wissen der Bundesregierung über die Armut von Jugendlichen ist äußerst gering: Sie weiß nicht, wo die armen Jugendlichen leben, sie weiß nicht, aus welchem sozioökonomischen Zusammenhang die armen Jugendlichen entstammen, sie weiß nichts über die Entwicklung und Vererbung der Armut. Derzeit sind ein Viertel bis ein Fünftel aller jungen Menschen von Armut bedroht. Laut Mikrozensus 2010 ist gar jede vierte junge Frau von Armut bedroht. Dies ergab die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE.

  Dennoch spricht die Bundesregierung von einer hohen Aufwärtsmobilität der Einkommen in dieser Altersgruppe und erklärt das hohe Armutsrisiko mit der in dieser Altersgruppe verbundenen Ausbildungssituation. Von einer Trendwende in der Jugendarbeitslosigkeit, die die Bundesregierung gerne betont, scheint allerdings auch keine Verringerung des Armutsrisikos einherzugehen. Die Armut von Jugendlichen bewegt sich seit Jahren auf nahezu unverändertem Niveau und droht weiter zu zunehmen, wie die Daten aus dem Familienreport 2011 belegen, der eine weitere Zunahme des Armutsrisikos von Kindern diagnostiziert (Familienreport 2011, S.89-99: Zunahme der Armutsrisikoquote von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren um 2,6 Prozentpunkte auf über 19 Prozent im Jahr 2010. Quelle SOEP 2011). Die aktuelle Sinus Jugendstudie 2012 belegt, dass insbesondere arme Jugendliche sich zunehmend ausgegrenzt fühlen und gesellschaftlich abgehängt werden. Auch hierzu schweigt die Bundesregierung.
  "Von der Jugend geht die Zukunft aus. Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung zu einem zentralen Thema wie Jugendarmut schweigt", kritisiert Yvonne Ploetz. "Sie weiß nichts über die Situation von armen Jugendlichen und hat keinerlei Konzepte, wie Jugendliche, die in Armut leben und gesellschaftlich abgehängt sind, einen Weg in die Zukunft finden. Wer die Armut von Jugendlichen wirkungsvoll reduzieren möchte, kommt um eine systematische Neuausrichtung der Jugendpolitik nicht herum.“
Wesentliche Ergebnisse
Die Bundesregierung hat zahlreiche Fragen nicht beantwortet mit dem Verweis auf fehlende Erkenntnisse. Wesentliche Ergebnisse sind:
 

  • Die Bundesregierung bestätigt (in Daten bis 2010), dass Jugendliche überproportional stark von Armut bedroht sind und Frauen stärker als Männer (Frage 1-7 u. 10, S.3)
  • Einkommen und somit Armutsrisiko seien in der Jugendphase geprägt durch Ausbildungssituation. Daraus ergäbe sich im Vergleich zu anderen Altersgruppen hohe Teilhabechancen. Die Bundesregierung beobachtet bei einer dynamischen Betrachtung eine hohe Aufwärtsmobilität der Einkommen… (Frage 1-7 u. 10, S.3)
  • Gleichzeitig blendet die Bundesregierung aus, dass die Armutsrisikoquote von Jugendlichen seit Jahren auf hohem Niveau verharrt und im Schnitt jeder vierte bis fünfte Jugendliche von Armut bedroht ist. Am heftigsten sind junge Frauen betroffen, von denen nach Daten des Mikrozensus im Schnitt jede vierte von Armut bedroht ist (Frage 1-7 u. 10, S.3)
  • Die Bundesregierung gesteht ein, dass die wirtschaftliche Situation von Jugendlichen in einem Bezug zur Erwerbstätigkeit der Eltern steht (Frage 9, S.5)

Es wird kein Bezug auf den Familienreport 2011 genommen, der einen Anstieg der Kinder und Jugendarmut aufweist. Die Erkenntnisse der Sinus-Jugendstudie 2012 werden ebenso außer Acht gelassen. Diese Liste ließ sich fortsetzen.  

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