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Blendwerk Jobwunder

Nachricht von Jutta Krellmann,

Der Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen in den vergangenen zehn Jahren geht mehrheitlich auf die Zunahme der Frauenerwerbstätigkeit im Westen zurück – dies jedoch vorwiegend durch die Ausweitung von Teilzeitarbeit. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Schriftliche Fragen von Jutta Krellmann hervor.

In den vergangenen zehn Jahren stieg die Teilzeitbeschäftigung von Frauen um 30 Prozent. Im Jahr 2002 waren knapp sechs Millionen Frauen in Teilzeit beschäftigt (Teilzeitquote: 40,2 %), 2012 schon 7,8 Millionen (Teilzeitquote: 45,8 %). Insgesamt ist die Beschäftigung von Frauen in diesem Zeitraum um 2,1 Millionen angewachsen. Von diesem Anstieg sind lediglich 300.000 Vollzeitbeschäftigungen, während 1,8 Millionen Teilzeit sind.

Die Zahl der niedrig entlohnten Frauen ist von 2006 bis 2010 um 13 Prozent gestiegen. Gab es in 2006 2,3 Millionen Frauen im Niedriglohnbereich, so waren dies in 2010 bereits 2,6 Millionen. Mehr als jede vierte arbeitende Frau ist eine Niedriglohnbeschäftigte.

Der Anteil der niedrig entlohnten teilzeitbeschäftigten Frauen stieg sogar um 22 Prozent.  Von den in Teilzeit beschäftigten Frauen arbeitet jede fünfte zu einem Niedriglohn. Ihr  Anteil stieg von 16,2 in 2006 auf  19,2 Prozent in 2010.

"Das viel gepriesene Jobwunder ist ein Blendwerk", kommentiert Jutta Krellmann, Sprecherin für Arbeit und Mitbestimmung der Fraktion Die Linke im Bundestag, die Entwicklung. "Die Zunahme der Erwerbstätigkeit erfolgt durch die Ausweitung von Teilzeitbeschäftigung für Frauen, die oft nicht gewünscht wird. Der Arbeitsmarkt bremst Frauen aus, denn die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind nach wie vor unzureichend. Nötig sind mehr gute Kita-Plätze, ein Rückkehrrecht in Vollzeit und der Verzicht auf Minijobs.“

Tatsächlich ist das Arbeitsvolumen im Jahr 2011 fast identisch mit dem von 2000 (57.922 Mio. Arbeitsstunden in 2000/ 57.887 Mio. in 2011). Im Jahr 2000 lag die Zahl der Erwerbstätigen in Vollzeitäquivalenten bei 32,8 Millionen, im Jahr 2011 nur noch bei 32,7 Millionen. Das Arbeitsvolumen wurde lediglich umverteilt auf mehr Erwerbstätige ( Drs. 17/12750).

Dabei sank die sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung im Zeitraum 2000 – 2011 von 23,9 auf 22,7 Millionen ab, dem gegenüber stieg die sozialversicherungspflichtige Teilzeit von 3,9 auf 5,7 Millionen. Minijobs wuchsen von 5,5 Millionen in 2003 auf 7,4 Millionen in 2011 (Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Beschäftigungsstatistik, Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach ausgewählten Merkmalen, Datenstand Januar 2013, ebd.: Beschäftigungsstatistik, Geringfügig entlohnte Beschäftigte nach ausgewählten Merkmalen, Datenstand Januar 2013).

linksfraktion.de, 16. August 2013
 

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