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»Arbeiten wie ein Mensch 2. Klasse«

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Silvia Kumor (45) war erst Leiharbeiterin, dann Festangestellte - jetzt wird sie entlassen.

 

Von Frank Schwarz

Vor drei Jahren fängt Silvia Kumor bei Weser Feinkost im niedersächsischen Syke an. „Ich hatte vom Amt für Arbeit die Zuweisung in eine Leiharbeitsfirma bekommen“, sagt die gelernte Köchin. Als Leiharbeiterin beginnt sie mit 7,21 Euro pro Stunde – rund 40 Prozent weniger als ihre festangestellten Kolleginnen und Kollegen. „Ich fühlte mich als Mensch 2. Klasse“, sagt sie. „Aber ich wollte nicht wieder in Hartz IV fallen.“

Auch Maschinenführer Stefan Schubert weiß, dass seine festangestellten Kollegen bei Weser Feinkost deutlich mehr verdienen als er. Er ist einer von mehreren Leiharbeitern, die Verpackungsmaschinen bedienen. „Ich fühle mich oft beschissen, kann aber nichts tun“, sagt der Bremer.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kennt das Problem. „Bremen ist die Hochburg der Leiharbeit. Missachtung und Demütigung gehören bei der Leiharbeit vielfach zur Tagesordnung“, klagt Gewerkschaftssekretär Christian Wechselbaum aus Bremen. Der Betriebsratsvorsitzende Dietmar Urban berichtet: „Wir haben uns für die Leiharbeitskräfte eingesetzt.“ Deren Kampfeslust halte sich jedoch in Grenzen: Angesichts kurzer Kündigungsfristen wolle niemand seinen Job riskieren.

Im vergangenen Jahr erhält Silvia Kumor bei Weser Feinkost nach mehr als zwei Jahren als Leiharbeiterin einen festen Arbeitsvertrag. An ihrem Arbeitsalltag änderte sich dadurch nichts, am Gehalt dafür viel: Seit Mitte Dezember bekommt sie 11,02 Euro pro Stunde statt 7,21 Euro.

Seit Jahren drückte Weser Feinkost die Personalkosten durch Leiharbeit. Am Band, beim Abfüllen und bei der Verpackung, immer häufiger wurde die Stammbelegschaft durch Leiharbeitskräfte ersetzt. Diese erhalten für die gleiche Arbeit deutlich niedrigere Löhne.

Doch nun ist auch damit Schluss: Der Betrieb wird dicht gemacht. Die Homann-Gruppe, die das niedersächsische Traditionsunternehmen erst vor Kurzem aufgekauft hat, schließt den Standort und entlässt alle Beschäftigten. Der Marktführer der Feinkostbranche entledigt sich eines Konkurrenten, rund 160 Menschen verlieren ihre Arbeit.

Selbst in dieser Situation werden die Leiharbeitskräfte schlechter behandelt als die Festangestellten: Letzteren zahlt eine Transfergesellschaft ein Übergangsgeld, dessen Höhe sich danach richtet, wie lange jemand für Weser Feinkost gearbeitet hat. Leiharbeiter bekommen nichts.

Silvia Kumor erhält dank ihrer regulären Arbeit im Betrieb zwei Monate Übergangsgeld. Stefan Schubert bekommt nichts.

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